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Tippe auf ein Segment

Der vollständige Quintenzirkel

Drei Ringe, zwölf Dur-Tonarten und ihre zwölf Moll-Parallelen — mit Intervallverhältnissen, enharmonischen Schreibweisen und Stufenakkorden in einer Ansicht. Tippe auf einen Sektor, um Tonleiter, Gitarrengriffe und Theorie zu öffnen.

Quintenzirkel mit 12 Dur- und 12 Moll-Tonarten Interaktive Darstellung des Quintenzirkels mit drei Ringen: Dur-Tonarten mit Kreuzen außen, Dur-Tonarten mit Bs in der Mitte, Paralleltonarten in Moll innen. Tippe auf ein Segment für Details.

Tippe auf ein Segment · Äußerer Ring: Dur-Tonarten mit Kreuzen · Mittlerer Ring: Dur-Tonarten mit Bs · Innerer Ring: Paralleltonarten in Moll


Grundlagen

Was ist der Quintenzirkel?

Eine kurze Geschichte — von Pythagoras bis Bach

Die Idee hinter dem Quintenzirkel ist mehr als 2.500 Jahre alt. Der griechische Mathematiker Pythagoras entdeckte um 500 v. Chr., dass zwei Saiten, deren Längen im Verhältnis 3:2 stehen, das nach der Oktave wohlklingendste Intervall erzeugen — die reine Quinte. Schichtet man reine Quinten übereinander, entstehen zwölf verschiedene Töne, bevor der Kreis annähernd zum Ausgangston zurückkehrt. Genau dieses Schichten ist das Fundament des Zirkels.

Der Zirkel in seiner heutigen Form wurde erstmals vom ukrainischen Komponisten und Theoretiker Nikolai Diletsky in seiner Abhandlung „Grammatika“ (1679) gezeichnet und später vom deutschen Komponisten Johann David Heinichen 1728 verfeinert. Seine breite Anerkennung wurde erst durch die gleichstufige Stimmung möglich — ein Stimmungssystem, bei dem die Oktave in zwölf mathematisch gleiche Halbtöne unterteilt wird. Erst dann schließen sich die zwölf Quinten zu einem perfekten Kreis. Ohne gleichstufige Stimmung übersteigen zwölf geschichtete reine Quinten sieben Oktaven um ein kleines Intervall, das als pythagoreisches Komma bezeichnet wird (etwa 23,46 Cent).

Johann Sebastian Bach machte sich für die neuen wohltemperierten Stimmungen stark, indem er mit dem „Wohltemperierten Klavier“ (1722 und 1742) je ein Präludium und eine Fuge in allen 24 Dur- und Molltonarten schrieb — um zu zeigen, dass nun jede Tonart auf einem einzigen Instrument musikalisch spielbar war. („Wohltemperiert“ meinte dabei nicht zwingend die gleichstufige Stimmung, sondern Stimmungen, in denen alle Tonarten brauchbar klingen.) Der Quintenzirkel macht genau diese Freiheit sichtbar: die Fähigkeit, sich durch jede Tonart mit logischen, hörbaren Beziehungen zu bewegen.

Aufbau und Prinzip

Der Quintenzirkel ordnet alle 12 Tonarten im Kreis an, jeweils im Abstand einer reinen Quinte (7 Halbtonschritte). Bewegt man sich im Uhrzeigersinn, steigt die Tonart um eine Quinte — und jede neue Tonart erhält genau ein Kreuz mehr in ihrer Tonleiter. Gegen den Uhrzeigersinn sinkt die Tonart um eine Quinte, jede Tonart erhält ein B mehr.

Benachbarte Tonarten im Quintenzirkel teilen sich 6 von 7 Tönen — deshalb klingen Modulationen zwischen ihnen so natürlich und weich. Ein Sprung von C-Dur zu G-Dur klingt vertrauter als zu Fis-Dur, weil C und G nur eine Quinte auseinanderliegen.

Im Uhrzeigersinn: Kreuze

C — 0 G — 1 Kreuz (Fis) D — 2 Kreuze A — 3 Kreuze E — 4 Kreuze H — 5 Kreuze Fis — 6 Kreuze

Gegen den Uhrzeigersinn: Bs

Hinweis: In der deutschen Notation entspricht „B" dem englischen B♭ (das deutsche H ist das englische B).

C-Dur — 0 Vorzeichen F-Dur — 1 ♭ (auf H) B-Dur — 2 ♭ (auf H und E) Es-Dur — 3 ♭ (auf H, E und A) As-Dur — 4 ♭ (auf H, E, A und D) Des-Dur — 5 ♭ (auf H, E, A, D und G) Ges-Dur — 6 ♭ (auf H, E, A, D, G und C)

Die Reihenfolge von Kreuzen und Bs

Kreuze erscheinen in einer Tonart-Vorzeichnung immer in derselben Reihenfolge: Fis – Cis – Gis – Dis – Ais – Eis – His. Für diese Vorzeichen-Reihenfolge eignet sich z. B. die Eselsbrücke „Frische Clowns Gehen Direkt Auf Eis-Hockey“. Die bekannte deutsche Eselsbrücke „Geh, Du Alter Esel, Hole Fische“ ergibt dagegen die Reihenfolge der Kreuz-Tonarten (G – D – A – E – H – Fis). Bs erscheinen in genau umgekehrter Reihenfolge: B – Es – As – Des – Ges – Ces – Fes. Beachte: Jedes aufeinanderfolgende Kreuz bzw. B liegt selbst wieder eine reine Quinte vom vorherigen entfernt — das ist der Quintenzirkel aus einem anderen Blickwinkel.

Schneller Trick zum Erkennen einer Dur-Tonart: Bei Kreuztonarten liegt die Tonika einen Halbton über dem letzten Kreuz (z. B. letztes Kreuz Fis → G-Dur). Bei B-Tonarten ist die Tonika das vorletzte B (z. B. Bs B und Es → B-Dur). C-Dur und F-Dur sind die zwei Ausnahmen, die man sich einfach merkt.

Enharmonische Verwechslung am unteren Rand des Zirkels

Am unteren Rand des Zirkels beschreiben drei Tonartenpaare dieselben Töne, sind aber unterschiedlich notiert. Man spricht von enharmonischer Verwechslung:

  • Fis-Dur (6 Kreuze) = Ges-Dur (6 Bs)
  • Cis-Dur (7 Kreuze) = Des-Dur (5 Bs)
  • H-Dur (5 Kreuze) = Ces-Dur (7 Bs)

Komponisten wählen wann immer möglich die Schreibweise mit weniger Vorzeichen, weil sie für Musiker leichter lesbar ist. Des-Dur (5 Bs) wird fast immer Cis-Dur (7 Kreuze) vorgezogen, obwohl beide auf dem Klavier identisch klingen. Theoretische Tonarten jenseits von sieben Vorzeichen (wie Gis-Dur oder Fes-Dur) existieren nur auf dem Papier und sind in echten Partituren extrem selten — sie werden gewöhnlich umgeschrieben, um Doppelkreuze oder Doppel-Bs zu vermeiden.

Paralleltonarten: Dur und Moll

Zu jeder Dur-Tonart gehört eine parallele Moll-Tonart mit identischer Vorzeichnung. Die Moll-Tonart beginnt 3 Halbtonschritte unter der Dur-Tonart.

Dur-TonartVorzeichenParalleltonart in Moll
C-Durkeinea-Moll
G-Dur1 Kreuz (Fis)e-Moll
D-Dur2 Kreuzeh-Moll
A-Dur3 Kreuzefis-Moll
E-Dur4 Kreuzecis-Moll
F-Dur1 ♭ (auf H)d-Moll
B-Dur2 ♭ (auf H und E)g-Moll
Es-Dur3 ♭ (auf H, E und A)c-Moll
As-Dur4 ♭ (auf H, E, A und D)f-Moll

Verwechsle nicht Paralleltonart und Varianttonart (Variante). Die Paralleltonart von C-Dur ist a-Moll — gleiche Töne, anderes tonales Zentrum. Die Varianttonart von C-Dur ist c-Moll — gleicher Grundton, drei Bs zusätzlich. Der Wechsel zur Varianttonart ist ein viel stärkerer emotionaler Kontrast als der zur Paralleltonart, weil sich drei Töne auf einmal ändern.

Stufenakkorde — Tonika, Subdominante, Dominante

Jede Tonart hat 7 natürliche Akkorde — einen auf jeder Stufe der Tonleiter. Drei davon sind besonders wichtig:

  • Tonika (I) — der Ruhepunkt der Tonart. In C-Dur: C-Dur. Wo die Musik „landet“.
  • Subdominante (IV) — führt von der Tonika weg und baut moderate Spannung auf, sanfter als die Dominante. In C-Dur: F-Dur.
  • Dominante (V) — maximale Spannung, will sich zur Tonika auflösen. In C-Dur: G-Dur.

Die Kadenz I → IV → V → I (z. B. C → F → G → C) ist das Rückgrat von Blues, Rock, Pop und Country. Sie funktioniert in jeder Tonart auf dieselbe Weise.

Stufenakkorde in C-Dur

StufeAkkordTypFunktionModus
ICDurTonikaIonisch
iiDmMollSubdominantparalleleDorisch
iiiEmMollMediantePhrygisch
IVFDurSubdominanteLydisch
VGDurDominanteMixolydisch
viAmMollSubmedianteÄolisch
vii°vermindertLeittonLokrisch

Die wichtigsten Kadenzen der westlichen Musik

Eine Kadenz ist eine kurze Akkordfolge, die einer Phrase ein Gefühl von Ankunft, Spannung oder Ruhe gibt. Kadenzen sind die Interpunktion der Harmonie — sie zeigen dem Zuhörer, wo Kommas, Semikola und Punkte in einem Lied stehen.

  • Authentische Kadenz (V → I) — die stärkste Auflösung. Steht am Ende fast jeder klassischen Phrase und der meisten Pop-Refrains.
  • Plagalkadenz (IV → I) — die „Amen“-Kadenz. Weicher, hymnisch, weniger endgültig.
  • Halbschluss (beliebig → V) — endet auf der Dominante. Erzeugt Spannung wie ein Komma im Satz.
  • Trugschluss (V → vi) — der Hörer erwartet I, die Musik landet aber auf der Tonikaparallele (vi) — es wechselt nur der Akkord, nicht die Tonart. Ein klassischer Überraschungseffekt.

Die häufigsten Pop-Akkordfolgen

Drei Akkordfolgen dominieren genreübergreifend einen großen Teil der Chart-Hits seit 1950:

  • I – V – vi – IV (in C: C – G – Am – F) — der „Vier-Akkord-Song“-Loop unzähliger Balladen.
  • vi – IV – I – V (Am – F – C – G) — dieselben Akkorde, beginnend auf der Moll-Parallele, mit melancholischerer Stimmung.
  • I – vi – IV – V (C – Am – F – G) — die „50er-Doo-Wop“-Folge.

Alle vier Akkorde sitzen im Quintenzirkel direkt nebeneinander — genau deshalb klingen diese Loops so vertraut und ausgeglichen.

Modulation — Tonartwechsel ohne Stolperer

Modulation bezeichnet den Wechsel von einer Tonart in eine andere innerhalb eines Musikstücks. Der Quintenzirkel ist die Straßenkarte dafür: Tonarten, die im Zirkel nebeneinander liegen, teilen sich sechs von sieben Tönen, sodass der Wechsel mühelos wirkt. Tonarten, die weit auseinander liegen, teilen sich nur wenige Töne und erfordern sorgfältige Vorbereitung.

Drei gängige Modulationstechniken

  1. Modulation über einen gemeinsamen Akkord (Pivot-Akkord) — einen Akkord finden, der zu beiden Tonarten gehört, ihn als Scharnier nutzen und dann in die neue Tonika auflösen. Weich, von den meisten Hörern unbemerkt. Beispiel: Von C-Dur nach G-Dur ist der Akkord Am die vi in C und die ii in G.
  2. Direkte Modulation (Truckdriver-Modulation) — ein abrupter Sprung in die neue Tonart, oft einen Ganz- oder Halbton höher. Häufig im letzten Refrain von Pop-Songs, um die Energie zu steigern.
  3. Modulation über die Dominante — man spielt die V der Zieltonart, die stark zur neuen Tonika zieht. Beispiel: Um in G-Dur zu landen, spielt man einfach zuerst einen D7-Akkord.

Weite Modulationen — etwa von C-Dur nach Fis-Dur — sind genau deshalb so außergewöhnlich, weil die Tonarten sich im Zirkel direkt gegenüberliegen und kaum gemeinsame Töne haben. Romantische Komponisten wie Schubert und Wagner nutzten diese Entfernung für dramatische, fast jenseitige Wirkungen.

Zwischendominanten und modale Entlehnung

Der Quintenzirkel ist nicht nur ein Schema der Tonarten — er ist auch ein Schema der Akkordbewegung. Die stärkste Bewegung in tonaler Musik ist „eine Quinte abwärts“: G → C, D → G, A → D und so weiter. Fast jede Kadenz der westlichen Musik nutzt diesen Sog.

Eine Zwischendominante ist ein Dominantakkord, der sich eine Quinte abwärts in einen Akkord auflöst, der nicht die Tonika ist. Die Schreibweise „V/V“ (gelesen „Dominante der Dominante“) meint die Dominante zur Dominante. In C-Dur ist V gleich G, also ist V/V gleich D7 — ein Akkord, der nicht von Natur aus zu C-Dur gehört, sich aber wunderbar nach G auflöst. Über Zwischendominanten leihen sich Komponisten kurze Spannung aus benachbarten Tonarten, ohne sich auf eine vollständige Modulation festzulegen.

Modale Entlehnung (auch „geliehene Akkorde“) geht einen Schritt weiter: Ein Akkord wird direkt aus der Varianttonart in Moll oder einem anderen Modus übernommen und in die Dur-Tonart eingesetzt. Die häufigsten geliehenen Akkorde im Pop sind iv (die Moll-Subdominante — Fm in C-Dur) und ♭VII (B in C-Dur). Sie klingen bittersüß, filmisch und sofort vertraut.

Der Quintenzirkel auf dem Gitarrengriffbrett

Gitarristen erleben den Quintenzirkel bei jedem Spielen. Die Standardstimmung E–A–D–G–H–e besteht größtenteils aus Quarten (der Umkehrung der Quinte). Das bedeutet: Eine Saite höher und zwei Bünde höher transponiert eine Griffform um eine Quinte (+5 und +2 = 7 Halbtöne). So wandert dieselbe Griffform Schritt für Schritt durch den Quintenzirkel.

Für Songwriter ist die praktische Konsequenz einfach: Capo-Positionen, Transposition für Sänger und Akkordsubstitution werden trivial, sobald man den Zirkel im Kopf sieht. Steht ein Stück in G, soll aber in A gesungen werden, wird sofort klar: Jeder Akkord rückt im Uhrzeigersinn zwei Segmente weiter (ein Ganzton = zwei Quintschritte) — G wird zu A, C wird zu D, D wird zu E, Em wird zu fis-Moll.

Praxistipps für Songwriter und Improvisierende

  • Bleib in der Nähe, klinge konsonant. Wirkt eine Akkordfolge holprig, prüfe, ob du im Zirkel zu weit gesprungen bist. Versuche einen Zwischenakkord, der zwischen den beiden liegt.
  • Nutze die Paralleltonart für die Bridge. Der Wechsel zwischen C-Dur und a-Moll ist der einfachste Weg, emotionalen Kontrast hinzuzufügen, ohne das harmonische Zentrum zu verlieren.
  • Merke dir die drei Arbeitspferd-Akkordfolgen (I–IV–V, I–V–vi–IV, ii–V–I). Zusammen decken sie den Großteil der Standards in Pop, Rock, Country, Soul und Jazz ab.
  • Improvisiere in der parallelen Moll-Pentatonik. Über eine C-Dur-Folge funktioniert eine a-Moll-Pentatonik immer — dieselben Töne, gefühlvollere Wirkung.
  • Transponiere mit dem Zirkel, nicht im Kopfrechnen. Jeden Akkord im Uhrzeigersinn um N Segmente zu verschieben, transponiert den ganzen Song um N Quinten nach oben — schneller als Halbtöne zählen.
Übungsanleitung: Wähle eine beliebige Dur-Tonart und spiele am Klavier die Kadenz I–IV–V–I. Springe dann im Zirkel eine Position im Uhrzeigersinn weiter (z. B. C-Dur → G-Dur) und wiederhole die Kadenz in der neuen Tonart. Mache das einmal rund um den Zirkel. Bist du zur Ausgangstonart zurück, hast du jede Vorzeichnung der Musik gespielt und dein Ohr auf die fundamentalste harmonische Bewegung der westlichen Musik trainiert.

Häufig gestellte Fragen

Warum heißt er „Kreis“ und nicht „Linie“?

Weil die Folge nach zwölf Quinten (in gleichstufiger Stimmung) zum Ausgangston zurückkehrt. C → G → D → A → E → H → Fis → Cis(=Des) → As → Es → B → F → C. Zwölf Schritte rund um die Uhr, zwölf Tonarten.

Muss ich alle 12 Tonarten auswendig lernen?

Nein. Merke dir die Reihenfolge der Kreuze (F–C–G–D–A–E–H) und die obigen Regeln. Alles andere lässt sich in Sekunden rekonstruieren.

Was ist der Unterschied zwischen Quintenzirkel und Quartenzirkel?

Es ist derselbe Kreis, nur in entgegengesetzter Richtung gelesen. Im Uhrzeigersinn: Quinten. Gegen den Uhrzeigersinn: Quarten. Jazzmusiker denken oft in Quarten, weil Dominantauflösungen (V–I, ii–V–I) sich um eine Quinte abwärts bewegen — was dasselbe ist wie eine Quarte aufwärts.

Warum klingen benachbarte Tonarten so ähnlich?

Weil sie sich sechs von sieben Tönen teilen. C-Dur und G-Dur unterscheiden sich um genau einen Ton: Das F in C-Dur wird zum Fis in G-Dur. Dieser einzelne Halbtonschritt ist die gesamte harmonische Distanz zwischen zwei benachbarten Tonarten.

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