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Die sieben Bausteine · 3 von 7

Harmonie – der Zusammenklang

Während die Melodie das Nacheinander der Töne ist, ist die Harmonie ihr Gleichzeitig. Sie entsteht, sobald mehrere Töne zusammen erklingen, und sie entscheidet über die Farbe, die Stimmung und vor allem über Spannung und Auflösung eines Stücks. Harmonie ist der Baustein, der der Melodie Halt, Tiefe und Richtung gibt.

1 · Grundlage

Vom Intervall zum Akkord

Die kleinste harmonische Einheit sind zwei gleichzeitig klingende Töne – ein Intervall. Schon hier entscheidet sich der Grundton des Empfindens: Manche Zusammenklänge wirken ruhig und in sich stimmig (konsonant), andere reibungsvoll und nach Fortsetzung verlangend (dissonant). Keines von beiden ist „besser" – Musik lebt gerade vom Wechsel: Dissonanz erzeugt Spannung, Konsonanz löst sie auf.

Klingen drei oder mehr Töne zusammen, spricht man von einem Akkord. Der Grundbaustein ist der Dreiklang: ein Grundton, darüber die Terz und die Quinte. Ob die Terz „groß" oder „klein" ist, entscheidet über den vielleicht wichtigsten Farbunterschied der Musik – Dur oder Moll.

2 · Grundfarben

Dur und Moll

Dur klingt für die meisten Ohren hell, offen, oft fröhlich; Moll dunkler, weicher, oft ernst oder melancholisch. Der Unterschied liegt in einem einzigen Ton: der Terz des Akkords, die in Moll um einen Halbton tiefer liegt. Dass eine so kleine Verschiebung eine so große Wirkung hat, gehört zu den erstaunlichsten Tatsachen der Musik. Wichtig ist: Diese Zuordnung – Dur „fröhlich", Moll „traurig" – ist eine grobe Faustregel, keine Regel. Unzählige Stücke widerlegen sie; entscheidend ist immer der Zusammenhang.

3 · Funktionen

Ruhe, Spannung, Auflösung

Akkorde stehen nicht beziehungslos nebeneinander – sie haben Funktionen innerhalb einer Tonart. Drei Rollen genügen für das Verständnis: Die Tonika ist das Zuhause, der Ruhepunkt, auf den alles zustrebt. Die Dominante erzeugt Spannung und verlangt geradezu nach der Rückkehr zur Tonika. Die Subdominante führt von der Ruhe weg und bereitet diese Spannung vor. Aus diesem Dreiklang der Funktionen – weg von zu Hause, Spannung aufbauen, nach Hause zurück – ist ein Großteil aller Musik gebaut, von der Volksweise bis zum Popsong.

Zum Anhören: Vergleiche zuerst die beiden Grundfarben Dur und Moll – sie unterscheiden sich nur in der Terz. Höre dann den Funktionsverlauf Tonika – Subdominante – Dominante – Tonika: weg von zu Hause, Spannung, zurück.

4 · Akkordfolgen

Die Sätze der Harmonie

So wie Töne zu Melodien werden, werden Akkorde zu Akkordfolgen (Kadenzen). Die klassische Schlusswendung Subdominante – Dominante – Tonika wirkt wie ein Satz, der sinnvoll endet; das Ohr empfindet einen echten Schluss. Aus wenigen solchen Bausteinen lassen sich ganze Lieder begleiten – nicht ohne Grund kommen viele Popsongs mit einer Handvoll immer wiederkehrender Akkorde aus. Der Quintenzirkel zeigt anschaulich, welche Akkorde einer Tonart nahestehen und deshalb besonders gut zusammenpassen.

5 · Zusammenspiel

Wie Harmonie und Melodie zusammenwirken

Harmonie und Melodie sind kein Neben-, sondern ein Miteinander. Dieselbe Melodie kann über verschiedene Akkorde gelegt werden und wechselt dabei völlig ihren Charakter – ein Ton, der über einem Dur-Akkord hell und zufrieden klingt, kann über einem Moll-Akkord plötzlich sehnsuchtsvoll wirken. Umgekehrt bestimmt die Harmonie, welche Melodietöne als „passend" und ruhend und welche als spannungsvoll empfunden werden: Ein Ton, der zum gerade klingenden Akkord gehört, wirkt gelöst, ein akkordfremder Ton erzeugt Reibung, die nach Weiterführung verlangt. Dieses Spiel aus Akkordtönen und Durchgangstönen ist eines der feinsten Ausdrucksmittel überhaupt – und der Grund, warum ein und dieselbe Melodie in verschiedenen Harmonisierungen jedes Mal neu erzählt werden kann.

6 · Hören

Harmonie bewusst hören

Man muss keine Akkorde benennen können, um Harmonie zu hören. Es genügt, auf zwei Empfindungen zu achten: Fühlt sich der Moment nach Spannung an, die weiterdrängt, oder nach Ruhe, die ankommt? Und: Ist die Farbe eher hell (Dur) oder dunkel (Moll)? Wer beim Hören diese beiden Fragen mitlaufen lässt, nimmt nach kurzer Zeit das harmonische Auf und Ab eines Stücks wahr – und versteht, warum eine Stelle berührt, spannt oder erleichtert.

7 · Septakkorde

Mehr als Dreiklänge

Der Dreiklang ist der Grundbaustein, aber die Harmonie wird erst durch Erweiterungen wirklich reich. Fügt man einem Dreiklang einen weiteren Ton im Terzabstand hinzu, entsteht ein Septakkord – benannt nach dem Intervall der Septime zwischen unterstem und oberstem Ton. Der wichtigste von ihnen ist der Dominantseptakkord: Er sitzt auf der Dominante und enthält eine kräftige Dissonanz, die geradezu nach Auflösung in die Tonika drängt. Man kann das hören – dieser Akkord klingt „unfertig", er will weiter. Genau diese eingebaute Zugkraft macht ihn zum Motor unzähliger Schlusswendungen, von Bach bis zum heutigen Popsong.

Septakkorde und weitere Erweiterungen (None, Undezime) sind der Grund, warum Jazz und moderne Harmonik so viel farbiger klingen als ein reiner Dreiklangsatz: Jeder zusätzliche Ton bringt eine neue Spannungsnuance zwischen den Polen Ruhe und Drang.

8 · Umkehrungen

Derselbe Akkord, andere Wirkung

Ein Akkord muss nicht immer mit seinem Grundton zuunterst erklingen. Legt man einen anderen Akkordton in den Bass, spricht man von einer Umkehrung. Die Töne bleiben dieselben, doch die Wirkung ändert sich spürbar: Ein Grundton im Bass wirkt stabil und fest, eine Umkehrung fließender und weniger endgültig. Komponisten nutzen das, um eine Basslinie geschmeidig zu führen – so, dass sich der Bass in kleinen Schritten bewegt, statt in großen Sprüngen von Grundton zu Grundton zu springen. Für das Ohr entsteht dadurch ein weicher, sanglicher Unterbau, auch wenn die Harmonien selbst gleich bleiben. Wer beim Hören auf die tiefste Stimme achtet, entdeckt oft eine eigene kleine Melodie im Bass.

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Vom Was zum Wie

Rhythmus, Melodie und Harmonie bestimmen, was erklingt. Wie stark oder zart es erklingt, formt der nächste Baustein.