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Übungen · Theorie

Enharmonik zuordnen

Ordne die ♯-Schreibweise der jeweils gleich klingenden ♭-Schreibweise zu.

So arbeitest du mit dem Enharmonik-Training

Das Modul zeigt einen Ton und fragt nach seiner enharmonischen Entsprechung, also nach dem anderen Namen für dieselbe Tonhöhe. Auf den ersten Stufen geht es um die einfachen Paare wie Cis und Des, später um Fälle mit Doppelvorzeichen und um die Frage, welche Schreibweise in einem bestimmten Zusammenhang korrekt ist.

Die Übung ist kurz und eignet sich gut als Aufwärmen vor größeren Einheiten. Fünf Minuten reichen. Wichtiger als die Menge ist, dass du bei jeder Aufgabe kurz begründest, warum die eine Schreibweise in einer Tonart passt und die andere nicht.

Wenn du zusätzlich ein Instrument zur Hand hast, spiele den Ton mit. Das macht unmittelbar erfahrbar, dass beide Namen auf derselben Taste beziehungsweise demselben Bund landen, und genau dieser scheinbare Widerspruch ist der Kern des Themas.

Warum ein Ton zwei Namen hat

In der gleichstufigen Stimmung, die seit dem 18. Jahrhundert die Praxis bestimmt, ist die Oktave in zwölf exakt gleich große Halbtöne geteilt. Dadurch fallen Töne zusammen, die theoretisch verschieden sind: Cis und Des klingen identisch, His und C ebenfalls. Man nennt das enharmonische Verwechslung.

Theoretisch sind diese Töne nicht dasselbe. In reiner oder mitteltöniger Stimmung liegt Cis merklich tiefer als Des; der Unterschied heißt pythagoreisches Komma und beträgt knapp einen Viertelton. Historische Instrumente mit getrennten Tasten für Cis und Des hat es tatsächlich gegeben. Die gleichstufige Stimmung ist ein Kompromiss, der alle Tonarten spielbar macht und dafür jede minimal verstimmt.

Praktisch entscheidet der Zusammenhang über den Namen. Ein Ton, der nach oben aufgelöst werden will, wird als erhöhter Ton geschrieben; einer, der nach unten strebt, als erniedrigter. Deshalb steht in einer Kadenz nach D-Dur ein Cis und nicht ein Des, auch wenn beide gleich klingen. Notation beschreibt nicht nur Tonhöhe, sondern Absicht.

Aus der Praxis

Enharmonik wird oft als Spitzfindigkeit abgetan, bis zum ersten Mal ein Akkordsymbol unverständlich wird. Wenn in einem Leadsheet ein Des-Dur-Akkord steht und der Schüler Cis-Dur greift, klingt alles richtig, aber die nächste Zeile passt plötzlich nicht mehr zum Notenbild. Spätestens hier wird klar, wofür die Unterscheidung da ist.

Ein guter Einstieg ist die enharmonische Umdeutung als Mittel der Modulation. Ein verminderter Septakkord lässt sich auf vier verschiedene Arten deuten und führt je nach Deutung in eine andere Tonart. Dieses Prinzip trägt einen großen Teil der romantischen Harmonik und wird verständlich, sobald man die Namen ernst nimmt.

Für die tägliche Praxis genügt eine Faustregel: In Kreuztonarten schreibt man Kreuze, in B-Tonarten B. Wer sich daran hält, liegt in neunzig Prozent der Fälle richtig, und die restlichen zehn Prozent sind genau die interessanten.

Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, Enharmonik für beliebig zu halten. Beide Namen sind eben nicht gleichwertig, sondern kontextabhängig richtig oder falsch. Das Modul fragt auf höheren Stufen genau danach.

Der zweite Fehler ist das Ausweichen vor Doppelvorzeichen. Zu Fis ist Ges die Entsprechung, zu Fisis aber G, und zu Ceses ist es B. Solche Fälle wirken konstruiert, folgen aber zwingend aus dem System und kommen in echter Literatur vor.

Der dritte Fehler ist die Annahme, Enharmonik sei eine Eigenschaft des Klaviers. Sie ist eine Eigenschaft der gleichstufigen Stimmung. Auf einer Geige oder im Chor werden Cis und Des tatsächlich unterschiedlich intoniert, und geübte Ensembles tun das hörbar.