Zum Inhalt springen
Übungen · Gehörbildung

Intervall-Hörtraining

Hör zwei Töne und erkenne das Intervall – aufwärts, abwärts oder zusammen.

So arbeitest du mit dem Intervall-Hörtraining

Das Modul spielt dir zwei Töne vor und fragt, welcher Abstand dazwischen liegt. Du wählst zuerst eine Stufe: Auf der untersten Stufe stehen nur Prime, Quarte, Quinte und Oktave zur Auswahl, also die Abstände, deren Klang sich am deutlichsten voneinander unterscheidet. Erst wenn du die sicher triffst, kommen große und kleine Terzen und Sexten dazu, danach die Sekunden und zuletzt die Tritonus-Fälle. Diese Reihenfolge ist nicht willkürlich: Wer mit allen zwölf Intervallen gleichzeitig anfängt, rät und merkt sich nichts.

Für die Richtung gibt es drei Modi. Aufwärts ist der Normalfall und für den Anfang der wichtigste. Abwärts muss man getrennt üben, denn ein absteigendes Intervall klingt für das Ohr nicht einfach wie ein umgedrehtes aufsteigendes. Im harmonischen Modus erklingen beide Töne gleichzeitig; hier hörst du nicht mehr den Weg von Ton zu Ton, sondern die Klangfarbe der Zusammenklangs, und das ist eine eigene Fähigkeit.

Jede Aufgabe lässt sich beliebig oft wiederholen. Nutze das ausdrücklich: Höre lieber dreimal hin und entscheide dann, als schnell zu tippen. Falsche Antworten werden aufgelöst, der Ton wird noch einmal gespielt, und genau dieser Moment nach dem Fehler ist der lehrreiche. Fünfzehn bis zwanzig Minuten am Stück sind sinnvoll, danach lässt die Aufmerksamkeit spürbar nach.

Was ein Intervall eigentlich ist

Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tonhöhen. Benannt wird er nach der Anzahl der Stufen im Notensystem, die er überspannt, die Prime als kleinster und die Oktave als achter Schritt. Weil die Stufen einer Dur-Tonleiter unterschiedlich groß sind, braucht die Zählung einen Zusatz: rein bei Prime, Quarte, Quinte und Oktave, groß oder klein bei Sekunde, Terz, Sexte und Septime. Vermindert und übermäßig kommen hinzu, wenn ein Ton chromatisch verändert wird.

Physikalisch steckt hinter jedem Intervall ein Frequenzverhältnis. Die Oktave ist 2:1, die reine Quinte 3:2, die reine Quarte 4:3, die große Terz in reiner Stimmung 5:4. Je einfacher das Verhältnis, desto ruhiger und verschmolzener wirkt der Zusammenklang. Der Tritonus, in gleichstufiger Stimmung das Verhältnis der Quadratwurzel aus zwei, hat kein einfaches Verhältnis und klingt deshalb schwebend und unentschieden. Wer diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, hört Konsonanz und Dissonanz nicht mehr als Geschmacksfrage, sondern als akustische Eigenschaft.

Auf dem Klavier entspricht jedes Intervall einer festen Zahl von Halbtonschritten: kleine Sekunde eins, große Sekunde zwei, kleine Terz drei, große Terz vier, reine Quarte fünf, Tritonus sechs, reine Quinte sieben, kleine Sexte acht, große Sexte neun, kleine Septime zehn, große Septime elf, Oktave zwölf. Diese Zahlenreihe auswendig zu können hilft beim Nachrechnen, ersetzt aber das Hören nicht.

Ankerlieder — der Trick aus der Praxis

Die bewährteste Methode, ein Intervall wiederzuerkennen, ist ein Lied, das genau mit diesem Intervall beginnt. Für die aufsteigende Quarte nimmt man den Anfang von „Oh, when the Saints", für die aufsteigende Quinte „Morgen kommt der Weihnachtsmann", für die große Sexte „Mein Hut, der hat drei Ecken". Die kleine Terz sitzt im Ruf „Ku-ckuck", die große Terz im Beginn von „Alle meine Entchen". Absteigend braucht man eigene Anker: die absteigende große Sekunde steckt in „Hänschen klein", die absteigende Quarte im Anfang von „Der Mond ist aufgegangen".

Wichtig ist, dass du deine eigenen Lieder wählst, nicht die eines anderen. Ein Anker funktioniert nur, wenn du das Lied ohne Nachdenken singen kannst. Schreib dir eine Liste mit zwölf Zeilen, eine pro Intervall, und trag dort ein, was dir persönlich sofort einfällt. Diese Liste ist innerhalb von zwei Wochen überflüssig, weil das Ohr die Abkürzung dann direkt nimmt, aber in diesen zwei Wochen ist sie das Rückgrat des Trainings.

Zweiter Praxistipp: Singe die Antwort mit, bevor du sie anklickst. Die Stimme zwingt zu einer Entscheidung, die der Mausklick allein nicht verlangt, und sie verknüpft Hören und Vorstellung. Schüler, die mitsingen, kommen erfahrungsgemäß deutlich schneller voran als solche, die nur zuhören.

Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von Quarte und Quinte. Beide klingen leer und offen, und wer nur auf diese Eigenschaft achtet, trifft eine Münzwurf-Entscheidung. Die Abhilfe ist, auf die Richtung der Spannung zu hören: Die Quarte drängt nach oben und will sich auflösen, die Quinte steht stabil. Ein Ankerlied pro Intervall löst das Problem endgültig.

Der zweitehäufigste Fehler ist der Sprung über die Oktave hinaus. Große Septime und kleine None klingen im ersten Moment ähnlich, weil beide dicht an der Oktave liegen. Höre in solchen Fällen bewusst darauf, ob der obere Ton noch unter oder schon über dem Oktavton liegt.

Ein dritter, seltener besprochener Fehler ist das Üben bei zu hoher Lautstärke oder mit schlechten Kopfhörern. Verzerrte Bässe machen tiefe Intervalle unkenntlich. Ein mittlerer Pegel und einigermaßen lineare Kopfhörer sind für Gehörbildung wichtiger als die Übungsmenge. Und schließlich: Wer jeden Tag zehn Minuten übt, kommt weiter als jemand, der einmal pro Woche zwei Stunden investiert. Gehörbildung ist Gewöhnung, nicht Kraftaufwand.