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Notenarchiv

Etüden und Notenübungen

Kurze Übungsstücke von Czerny, Burgmüller, Diabelli, Schumann und Bach — jedes mit genau einem technischen Ziel.

50Notenblätter
62Seiten
9Komponisten

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Was in dieser Sammlung steht

50 kurze Übungsstücke auf 62 Seiten, also fast durchweg einseitig. Gleichmäßig verteilt auf Johann Sebastian Bach, Carl Czerny, Robert Schumann und Friedrich Burgmüller mit je acht Stücken, dazu sechs von Anton Diabelli, fünf von Fernando Sor, drei von Matteo Carcassi und zwei von Dionisio Aguado. Die Czerny-Stücke tragen den Titel „Achttaktige Übung“ und sind durchnummeriert — acht Takte, ein Problem, fertig.

Das ist ein bewusst schmaler Bestand. Czerny allein hat über tausend Übungen geschrieben, Burgmüller mehrere Sammlungen, und niemand braucht sie alle. Die Auswahl hier deckt die Standardprobleme ab: gleichmäßiger Anschlag, Fingerunabhängigkeit, Untersatz des Daumens, gebrochene Akkorde, Doppelgriffe, und bei Bach die Zweistimmigkeit.

Etüden sind Gebrauchsmusik, und man darf das hören. Ein Burgmüller-Stück hat eine Melodie, die man behalten kann; ein Czerny-Achttakter nicht. Das ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Frage des Zwecks — der eine schreibt Vortragsstücke mit technischem Nutzen, der andere reine Trainingssätze.

Was eine Etüde technisch macht

Eine Etüde isoliert eine Bewegung und wiederholt sie in wechselnden Tonhöhen. Bei Czerny ist das oft die Tonleiter mit Daumenuntersatz: Die Finger 1-2-3 spielen drei Töne, dann schiebt sich der Daumen unter den dritten Finger, und 1-2-3-4 spielen vier weitere. Der Übergang ist die eigentliche Schwierigkeit, weil dabei der Arm minimal mitgehen muss — zu wenig, und die Hand verkantet; zu viel, und der Anschlag wird ungleich.

Burgmüller stellt dieselben Aufgaben in musikalischen Kontext. Seine Stücke haben Titel wie „Die Arabeske“ oder „Der Wildreiter“, und was darin geübt wird, ist dasselbe wie bei Czerny — nur dass man es zwanzig Mal spielt, weil es Spaß macht, und nicht fünf Mal, weil man muss. Für die meisten Lernenden ist das der wirksamere Weg.

Bach ist ein Sonderfall. Seine zweistimmigen Sätze üben nichts Mechanisches, sondern die Fähigkeit, zwei Linien gleichzeitig zu denken. Das ist eine Kopfleistung, keine Fingerleistung: Man spielt langsam, hört zu, und merkt, dass die linke Hand eine eigene Melodie hat, die genauso wichtig ist wie die rechte. Wer Bach als Fingerübung spielt, spielt ihn falsch, auch wenn alle Töne stimmen.

Die Tempoleiter — Etüdenarbeit, die wirkt

Die Methode, die sich im Unterricht durchgesetzt hat, ist die Tempoleiter: 60, 66, 72, 80, 88, 96, 104 Schläge pro Minute. Man beginnt bei einem Tempo, in dem das Stück dreimal hintereinander fehlerfrei gelingt — nicht bei dem Tempo, in dem es „fast“ klappt. Nach drei sauberen Durchgängen geht es eine Stufe hoch. Beim ersten Fehler geht es zwei Stufen zurück, nicht eine.

Dieser Rückfall um zwei Stufen ist der Punkt, an dem die meisten abkürzen, und er ist der Grund, warum die Methode wirkt. Fehler entstehen nicht plötzlich bei Tempo 96; sie sind bei 88 schon angelegt und dort noch kompensierbar. Wer zwei Stufen zurückgeht, repariert die Stelle, an der das Problem wirklich sitzt.

Zeitbudget: Ein Czerny-Achttakter braucht so etwa zehn Minuten pro Tag über fünf bis sieben Tage, dann ist er ausgereizt. Sinnvoll sind drei Etüden parallel — eine im unteren Tempo, eine in Arbeit, eine fast fertig — und ein fester Wechseltag pro Woche. Wer dagegen vier Wochen an derselben Etüde feilt, übt die letzten drei Wochen nur noch Wiederholung.

Ein Hinweis zum Metronom: nicht auf jede Zählzeit schlagen lassen, sobald das Stück sitzt. Stell es bei einem Viervierteltakt auf die Hälfte, sodass es nur auf 1 und 3 klickt. Dann trägt man den Puls zwischen den Klicks selbst — und genau das ist die Fähigkeit, die man im Zusammenspiel braucht.

Typische Fehler

Das Endtempo wird zum Anfangstempo gemacht. Über der Etüde steht eine Tempoangabe, und viele fangen dort an. Sie ist aber das Ziel nach zwei Wochen, nicht die Vorgabe für den ersten Durchgang. Ein Stück, das man dreißigmal fast richtig gespielt hat, ist schwerer zu korrigieren als eins, das man nie falsch gespielt hat.

Der Fingersatz wird improvisiert. Bei Czerny sind die Zahlen über den Noten das eigentliche Lehrmaterial — die Tonfolge ist beliebig, der Fingersatz ist es nicht. Wer den Untersatz an einer anderen Stelle macht als vorgesehen, übt eine Bewegung, die bei der nächsten Tonleiter nicht mehr passt.

Die linke Hand wird vernachlässigt. In den meisten Etüden dieser Sammlung ist die rechte Hand die auffällige, und sie bekommt die ganze Aufmerksamkeit. Gegenprobe: Spiel das Stück einmal komplett nur mit links, auswendig. Bei den meisten geht das nicht — und das ist der Beleg, dass die linke Hand die Bewegung nur mitmacht, statt sie zu kennen.

Etüden werden ohne Ziel gespielt. Vor jedem Durchgang sollte ein Satz feststehen: „Diesmal achte ich auf den gleichmäßigen Anschlag in Takt 5 bis 6.“ Ohne diesen Satz ist ein Durchgang bloß Wiederholung, und Wiederholung ohne Aufmerksamkeit festigt Fehler genauso zuverlässig wie richtige Bewegungen.

Nutzung und Rechte

Alle Blätter sind gemeinfrei: Die Komponisten sind seit mehr als 70 Jahren verstorben. Sie dürfen kostenlos heruntergeladen, ausgedruckt, im Unterricht verwendet und für Gruppen vervielfältigt werden. Der Notensatz stammt von Maikstrings.