Kapodaster richtig einsetzen — transponieren, ohne neue Griffe zu lernen
Ein Kapodaster verschiebt die Tonhöhe, nicht den Griff. Wie man aus vier bekannten Formen jede Tonart begleitet, warum der Klang sich dabei ändert und welche Fehler beim Aufsetzen teuer werden.
Maik Krohm
Was ein Kapodaster tatsächlich tut
Ein Kapodaster klemmt alle sechs Saiten in einem Bund nieder und macht damit diesen Bund zum neuen Sattel. Die Saiten werden kürzer, alle Töne steigen — und zwar um genau so viele Halbtöne, wie der Bund zählt. Kapodaster im zweiten Bund heißt: alles klingt zwei Halbtöne höher, ein Ganzton.
Entscheidend ist, was sich dabei nicht ändert: die Griffe. Wer hinter dem Kapodaster einen C-Dur-Griff spielt, greift weiterhin C-Dur — es klingt nur D-Dur, wenn der Kapo im zweiten Bund sitzt. Die linke Hand lernt nichts Neues, das Ohr hört eine andere Tonart. Genau darin liegt der ganze Nutzen.
Damit ist der Kapodaster das direkteste Transpositionswerkzeug, das es gibt. Wenn eine Sängerin ein Lied in Es-Dur braucht, ist die Alternative, vier Barrégriffe zu lernen. Mit Kapo im dritten Bund spielt man weiterhin C-Dur-Griffe und klingt in Es-Dur. Für Begleitung im Chor, in der Gruppe und am Lagerfeuer ist das der Unterschied zwischen „geht nicht“ und „sofort“.
Vier Formen decken alles ab
In der Praxis braucht man nicht sechs Griffbilder, sondern vier Lager: die Formen von C, G, D und A. Mit dem Kapodaster in den Bünden null bis sieben decken diese vier Formen jede der zwölf Dur-Tonarten ab, meist sogar mehrfach. Eine kleine Rechnung genügt: Zieltonart minus Griffform gleich Bund.
Ein Beispiel. Das Lied steht in F-Dur, F liegt fünf Halbtöne über C. Also: C-Form plus Kapo im fünften Bund. Oder: F liegt zehn Halbtöne über G, das wären zehn Bünde — unbrauchbar, weil der Hals dort zu eng wird und der Klang dünn. Oder: F liegt drei Halbtöne über D, also D-Form plus Kapo im dritten Bund. Zwei brauchbare Wege, und man wählt den nach Klang.
Denn der Klang unterscheidet sich hörbar. Die C-Form hat ihre Leersaiten im Bass, klingt voll und getragen. Die D-Form liegt hoch, hat wenig Bass und klingt hell und leicht. Die G-Form nutzt beide äußeren Saiten und klingt am breitesten. Wer ein Lied begleitet, trifft mit der Wahl der Form also eine musikalische Entscheidung, keine technische.
Ab dem siebten Bund wird es unpraktisch: Die Bünde liegen so eng, dass der Griff verkrampft, und der Klang verliert Fundament. Faustregel: Kapo null bis fünf ist der Normalbereich, sechs und sieben gehen zur Not, darüber wechselt man die Griffform.
Aus der Praxis
Die häufigste Situation im Unterricht: Ein Lied steht in einer Tonart, die für die Stimme zu tief oder zu hoch liegt. Die Lösung dauert zwanzig Sekunden — man singt die erste Zeile, verschiebt den Kapo um einen Bund und singt noch einmal. Nach drei Versuchen sitzt die Lage. Wichtig ist, in der Zielhöhe zu singen und nicht zu rechnen; die bequeme Lage findet das Ohr schneller als der Kopf.
Für Zusammenspiel gilt der umgekehrte Weg. Zwei Gitarren, ein Kapo: Die eine spielt ohne, in G, die andere mit Kapo im siebten Bund in C-Form — beide klingen in G, aber in verschiedenen Lagen. Das ergibt ohne jede Absprache eine zweistimmige Begleitung mit echtem Klangunterschied statt doppeltem Unisono. Das ist der Standardtrick in Folk-Duos, und er kostet nichts.
Ein gemeinfreies Beispiel zum Üben ist „Ade zur guten Nacht“: eine einfache Melodie mit drei Akkorden, die sich in praktisch jeder Lage singen lässt. Man begleite sie einmal ohne Kapo und einmal mit Kapo im fünften Bund und höre, wie sich die Farbe ändert, obwohl die Finger dasselbe tun.
Typische Fehler
Erst stimmen, dann Kapo setzen. Der Kapodaster drückt die Saiten zusätzlich nach unten und erhöht damit die Spannung. Nach dem Aufsetzen ist das Instrument praktisch immer etwas zu hoch, auf den dicken Saiten am deutlichsten. Richtige Reihenfolge: Kapo setzen, dann stimmen.
Zu fest angezogen. Viele Kapodaster lassen sich stärker spannen als nötig. Jede überschüssige Kraft zieht die Saiten seitlich aus der Lage und verstimmt vor allem die tiefe E-Saite um bis zu zwanzig Cent. So fest wie nötig, damit nichts schnarrt — nicht fester.
Falsch positioniert. Der Kapo gehört dicht hinter das Bundstäbchen, nicht in die Mitte des Bundfeldes. Sitzt er mittig, muss er viel stärker drücken, um sauber abzugreifen, und verstimmt entsprechend. Die Faustregel: so nah am Bundstäbchen, dass er es fast berührt.
Die klingende Tonart nicht mitteilen. Wer mit Kapo im dritten Bund C-Griffe spielt und der Band „wir spielen in C“ sagt, sorgt für Chaos. Der Bassist spielt dann in C, es klingt aber Es. Richtig ist: die klingende Tonart nennen und, wenn nötig, den Griff dazu — „Es-Dur, ich spiele C mit Kapo drei“.
Was der Kapodaster nicht leistet
Er transponiert nur nach oben. Soll ein Lied tiefer klingen, hilft nur eine andere Griffform oder das Herunterstimmen des Instruments. Der übliche Umweg: um bis zu vier Halbtöne höher spielen und dafür in eine Griffform wechseln, die tiefer liegt.
Er verändert außerdem den Tonumfang. Mit Kapo im fünften Bund fehlen die tiefen fünf Halbtöne komplett; ein Basslauf, der unterhalb des Kapos liegen würde, ist schlicht nicht mehr spielbar. Bei reiner Akkordbegleitung fällt das nicht auf, bei Fingerstyle-Arrangements sehr wohl.
Und er ersetzt nicht das Verständnis. Wer nur mit Kapo arbeitet, lernt die Barrégriffe nie und ist beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten auf ständiges Umrechnen angewiesen. Sinnvoll ist beides nebeneinander: der Kapo als schnelles Werkzeug für Gesangsbegleitung, das Barré als Grundlage, um zu wissen, was man eigentlich spielt.