Capriccioso
„Launenhaft“ – heitere, eigenwillige Vortragsweise mit unerwarteten Wendungen.
Was es bedeutet
Capriccioso (italienisch, „launenhaft“, „eigensinnig“) ist eine Vortragsbezeichnung, die eine heitere, unberechenbare Spielweise verlangt: plötzliche Wechsel in Tempo, Lautstärke oder Ausdruck, die nicht aus der Harmonik oder dem Formverlauf zwingend folgen, sondern bewusst überraschend wirken sollen. Sie steht meist zusätzlich zu einer Tempoangabe, etwa „Allegro capriccioso“, und modifiziert deren Charakter.
Musikalische Verwendung
Capriccioso ist mit der Gattung Capriccio verwandt, aber als reine Vortragsanweisung nicht an diese Form gebunden: Sie kann auch einzelne Sätze größerer Werke oder Passagen innerhalb eines Stücks kennzeichnen. Die Anweisung tritt vor allem in der Musik des 19. Jahrhunderts auf, in der Vortragsbezeichnungen zunehmend feine Nuancen des Ausdrucks statt nur Tempo und Lautstärke beschreiben sollten.
Abzugrenzen ist capriccioso von scherzando: Beide verlangen einen spielerischen, leichten Ton, doch scherzando betont eher das Neckische, Humorvolle, während capriccioso stärker das Unberechenbare, sprunghaft Wechselnde hervorhebt. Von agitato unterscheidet es sich durch die grundsätzlich heitere statt unruhig-drängende Stimmung.
Spielpraxis
Suche in einer capriccioso bezeichneten Passage bewusst nach Stellen, an denen du das Erwartete durchbrechen kannst — ein leicht verzögerter Einsatz, eine unerwartete Dynamikänderung. Halte den Grundcharakter dabei heiter und leicht, nicht dramatisch, damit die Launenhaftigkeit spielerisch bleibt.