Fortgehend
Fließend, weitergehend.
Was es bedeutet
Fortgehend gehört zu den deutschen Tempo- und Vortragswörtern, die seit dem 18. Jahrhundert neben die italienischen Bezeichnungen treten. Gemeint ist ein Tempo, das weitergeht und nicht verweilt: Die Musik soll fließen, die Phrasen sollen ineinander übergehen, ohne dass der Puls stockt. Eine Zahl lässt sich dafür nicht angeben; das Wort beschreibt eine Bewegungsart, kein Maß.
Der Sache nach entspricht es dem italienischen con moto oder scorrevole, ohne dass eine feste Gleichsetzung üblich wäre. Verwandt ist das deutsche hingehend, das eher ein mäßiges Schreiten meint, während fortgehend das Fortsetzen der Bewegung betont. Solche deutschen Angaben sind oft nicht streng definiert — sie sind Charakterwörter, die der Komponist als Erklärung seiner Absicht setzt, nicht als Vorschrift mit festem Wert.
Im Notenbild
Das Wort steht über dem ersten System eines Satzes oder Abschnitts, in deutschsprachigen Ausgaben häufig anstelle eines italienischen Tempoworts, manchmal auch neben ihm. Wo Komponisten konsequent deutsch bezeichnen, findet sich eine ganze Reihe solcher Wörter, deren Bedeutung sich aus dem Zusammenhang der jeweiligen Ausgabe erschließt.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Angabe in Musik, die keinen scharfen Einschnitt haben soll: in verbindenden Abschnitten, in Sätzen mit durchlaufender Bewegung, in Bearbeitungen und Spielliteratur, die ein fließendes Grundtempo verlangt. Sie steht damit eher für eine Haltung gegenüber der Phrase als für eine Geschwindigkeit — der Vortrag soll nach vorn gerichtet bleiben. Die Bezeichnung findet sich vor allem in deutschen Partituren und Liedern der Romantik und entspricht italienisch con moto oder andante.
Spielpraxis
Wähle das Tempo so, dass du eine ganze Phrase in einem Bogen denken kannst, ohne zwischendurch neu anzusetzen. Vermeide Verzögerungen an Phrasenenden, denn genau sie widersprechen der Anweisung; führe stattdessen den letzten Ton einer Phrase zum ersten der nächsten hin. Halte die Begleitfiguren gleichmäßig und leicht. Wenn der Satz trotzdem schwerfällig wirkt, liegt es meist nicht am Tempo, sondern an zu vielen Betonungen.