Zum Inhalt springen
Vortrag

Grandioso

Großartig, erhaben.

Was es bedeutet

Grandioso heißt „großartig, erhaben" und verlangt einen Vortrag von Größe und Gewicht: breite Tongebung, volle Klangentfaltung, ein Tempo, das den Tönen Raum lässt, und eine Haltung ohne Eile.

Die Angabe betrifft den Ausdruck, wirkt sich aber auf das Tempo aus. Ein großartiger Vortrag ist in der Regel etwas breiter als ein gewöhnlicher; deshalb steht grandioso häufig dort, wo ein Abschnitt gegenüber seiner Umgebung an Gewicht gewinnen soll.

Verwandt sind pomposo, das prächtig und festlich meint, nobile, das Würde und Edelmut verlangt, und das deutsche würdig. Wo unterschieden wird, meint grandioso die Größe des Eindrucks, pomposo den festlichen Prunk, nobile die innere Haltung.

Im Notenbild

Das Wort steht kursiv über dem System, meist hinter einem Tempowort, und gilt bis zu einer neuen Angabe. Typisch ist die Nachbarschaft zu vollgriffigen Akkorden, Unisono-Passagen, punktierten Rhythmen und kräftiger Dynamik.

Musikalische Verwendung

Verwendet wird die Bezeichnung in Schlusssteigerungen, in Codas, bei der Wiederkehr eines Hauptthemas in voller Besetzung und in feierlichen Abschnitten. In der Orchester- und Klavierliteratur des 19. Jahrhunderts ist sie verbreitet; in der Orgelmusik steht sie über Sätzen, die das volle Werk verlangen.

Die Anweisung verlangt einen großartigen, erhabenen Vortrag mit vollem Klang und breiter Bewegung. Sie steht meist an Höhepunkten, in Finalsätzen oder bei der Wiederkehr eines Themas in gesteigerter Form, oft zusammen mit fortissimo und einem etwas breiteren Tempo. In der Musik der Romantik, etwa bei Liszt, gehört grandioso zu den wirkungsvollen Mitteln der Apotheose. Der Klang soll groß sein, aber nicht hart; Gewicht aus dem Arm und breite Bogenführung helfen dabei. ## Spielpraxis

Nimm das Tempo eher breit und gib den Tönen ihre volle Dauer; Größe entsteht aus Raum, nicht aus Lautstärke allein. Halte den Klang voll und vermeide Härte — gepresster Ton wirkt eng, nicht groß. Spiele Akkorde ausgewogen, sodass der Bass trägt. Und plane die Steigerung so, dass der letzte Takt noch zulegen kann.