Großchor
Hauptchor in venezianischer Mehrchörigkeit.
Was es bedeutet
In mehrchörig angelegter Musik bezeichnet Großchor die vollständige, große Klanggruppe, der kleinere Gruppen gegenüberstehen. Typisch ist die Gegenüberstellung von einem oder mehreren Solistenensembles mit dem voll besetzten Chor, teils ergänzt durch Instrumentalgruppen. Die Bezeichnung beschreibt also eine Funktion im Klangaufbau, nicht eine bestimmte Stimmenzahl; sie begegnet vor allem im Zusammenhang mit der mehrchörigen Praxis um 1600 und in deren Nachwirkungen.
Musikalische Verwendung
Die Wirkung beruht auf dem Wechsel und der Vereinigung: Kleine Gruppen beginnen, werfen sich Motive zu, und an Höhepunkten setzt der Großchor ein und fasst alles zusammen. Weil diese Musik ursprünglich in Räumen mit getrennten Emporen aufgeführt wurde, kommt die räumliche Wirkung hinzu — die Gruppen sind hörbar an verschiedenen Orten, und der Klang bewegt sich durch den Raum. Der Großchor markiert in diesem Gefüge die Momente größter Fülle und wird deshalb sparsam eingesetzt; seine Wirkung entsteht durch den Kontrast zu den vorangegangenen leiseren Abschnitten.
Große Chöre sind typisch für Oratorien des 19. Jahrhunderts. ## Spielpraxis
Kläre vor der Probe die Aufstellung, denn sie bestimmt Wirkung und Schwierigkeitsgrad: Große Abstände bedeuten hörbare Laufzeiten, sodass nach der Leitung und nicht nach dem Gehör musiziert werden muss. Vereinbare eindeutige Zeichen für Einsätze und Übergänge und übe die Nahtstellen zwischen den Gruppen gesondert. Achte darauf, dass der Großchor nicht automatisch zu laut wird; die Steigerung soll gestaltet und nicht bloß additiv sein. Prüfe die Balance vom Publikumsraum aus, weil der Eindruck auf den Emporen täuscht.
die kleineren Gruppen häufig solistisch besetzt sind und der Großchor chorisch: Der Unterschied liegt dann nicht nur in der Lautstärke, sondern in der Klangart, und beide müssen für sich stimmen. Probe die Gruppen getrennt, bevor du sie zusammenführst. Kläre die Aufstellung früh, weil Abstände die Laufzeit des Schalls und damit die Verständigung bestimmen. Vereinbare eindeutige Zeichen für Einsätze.