Pesante
Schwer, gewichtig.
Was es bedeutet
Pesante heißt „schwer, gewichtig" und verlangt einen Vortrag, in dem jeder Ton Gewicht bekommt. Die Töne werden voll angesetzt und ausgehalten, die Bewegung wirkt massiv und bestimmt, ohne Leichtigkeit.
Die Angabe betrifft den Charakter und die Artikulation. Sie wirkt sich auf das Tempo aus, weil ein schwerer Vortrag nicht eilt, legt es aber nicht fest — auch ein mittleres Tempo kann pesante gespielt werden.
Von marcato, das jeden Ton betont, unterscheidet sich pesante durch das Gewicht: Die Betonung kann leicht sein, die Schwere nicht. Von grave, das als Tempowort ein sehr langsames Zeitmaß meint, unterscheidet es sich dadurch, dass es eine Spielweise bezeichnet. Die deutsche Entsprechung ist schwer oder wuchtig.
Im Notenbild
Das Wort steht kursiv über dem System und gilt bis zu einer neuen Angabe. Häufig tritt es zusammen mit Tenuto-Strichen oder Akzenten auf jeder Note auf, in tiefer Lage, in Unisono-Passagen und bei kräftiger Dynamik.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Angabe in Abschnitten von massivem Charakter: in schweren Tanzsätzen, in Märschen von feierlichem oder bedrohlichem Ton, in Unisono-Themen und in Steigerungen, die Wucht verlangen. In der Orchestermusik steht sie häufig über tiefen Streichern und Blechbläsern.
Ein Beispiel ist Sibelius’ Zweite Sinfonie op. 43, uraufgeführt 1902: Im langsamen zweiten Satz erscheint die Angabe Pesante, im Finale ein Largamente e pesante. Schwere darf dabei nicht zu Trägheit werden: Die Musik muss trotz des Gewichts eine Richtung behalten.
Spielpraxis
Gib jedem Ton volle Dauer und Gewicht, ohne ihn zu pressen. Setze die Töne mit Armgewicht beziehungsweise viel Bogen oder Luft an. Vermeide federnde, kurze Artikulation. Und halte das Tempo stetig — Schwere entsteht aus dem gleichmäßigen Gang, nicht aus Verzögerung.