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Moderne

Aleatorik

Kompositionsprinzip mit gezielt eingesetzten Zufallselementen.

Was es bedeutet

Aleatorik bezeichnet Kompositionsverfahren, in denen der Zufall eine bestimmte Rolle spielt. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort für Würfel ab. Zu unterscheiden sind zwei Bereiche: Zufall bei der Herstellung des Notentextes, etwa wenn Tonfolgen nach einem Zufallsverfahren ermittelt werden, und Zufall bei der Aufführung, wenn die Ausführenden über Reihenfolge, Dauer oder Wiederholung von Abschnitten entscheiden. Im zweiten Fall spricht man auch von offener oder variabler Form.

Im Notenbild

Solche Werke arbeiten oft mit grafischen Elementen: Felder mit Material, die in wählbarer Reihenfolge gespielt werden, Wege durch die Partitur, Zeitangaben in Sekunden statt in Takten, Spielräume für Tonhöhe und Dauer. Das Vorwort enthält in der Regel genaue Anweisungen, was festgelegt ist und was frei bleibt; ohne diese Angaben ist die Partitur nicht auszuführen.

Musikalische Verwendung

Die Verfahren gehören zur Musik seit der Mitte des 20. Jahrhunderts und stehen im Zusammenhang mit einer veränderten Vorstellung vom Werk: Nicht jede Aufführung muss gleich sein, und die Ausführenden erhalten Anteil an der Gestalt. Häufig wird die Freiheit genau begrenzt, sodass der Zufall innerhalb eines klar gesteckten Rahmens wirkt — die Klangfarbe eines Werkes bleibt dadurch erkennbar, auch wenn die Abfolge wechselt. Vom musikalischen Würfelspiel des 18. Jahrhunderts unterscheidet sich die Aleatorik durch ihre Absicht: Dort ging es um ein Spiel mit fertigen Bausteinen, hier um die Form selbst.

Spielpraxis

Lies das Vorwort vollständig, bevor du übst; ohne Kenntnis der Regeln ist jede Vorbereitung vergeblich. Lege eine Fassung für die Aufführung fest und schreibe sie auf, damit die Probenarbeit möglich ist. Kläre im Ensemble, wer welche Entscheidungen trifft und wie Übergänge signalisiert werden. Übe die Zeitgestaltung mit Uhr, wenn Sekundenangaben vorliegen. Behandle freie Stellen so genau wie notierte — Freiheit heißt nicht Beliebigkeit.

Zufall in der Aufführung Verantwortung nicht aufhebt: Wer aus mehreren Möglichkeiten wählt, trifft eine künstlerische Entscheidung und sollte sie begründen können. Hilfreich ist, mehrere Fassungen auszuprobieren und ihre Wirkung zu vergleichen, bevor eine festgelegt wird. Bei Werken mit grafischen Elementen lohnt es, die eigene Deutung schriftlich zu fixieren, damit spätere Aufführungen daran anknüpfen können. Im Programmheft ist ein knapper Hinweis auf das Verfahren angebracht, weil das Publikum sonst Beliebigkeit vermutet, wo ein durchdachter Rahmen steht.