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Moderne

Serielle Musik

Komposition mit serialisierten Parametern.

Was es bedeutet

Serielle Musik überträgt das Reihenprinzip der Zwölftontechnik auf weitere Parameter. Nicht nur die Tonhöhen, sondern auch Dauern, Lautstärken, Artikulationen und Klangfarben werden nach Reihen geordnet, die das Stück durchziehen. Damit ist ein hoher Grad an Vorherbestimmung erreicht: Die Entscheidungen fallen im Entwurf des Systems, und der Verlauf ergibt sich daraus.

Musikalische Verwendung

Die Richtung entwickelte sich um 1950 in Europa, vor allem im Umfeld der Darmstädter Ferienkurse, und stand in den 1950er Jahren im Mittelpunkt der Diskussion. Als Anstoß gilt Olivier Messiaens Klavierstück Mode de valeurs et d'intensités, 1949 in Darmstadt entstanden: Es ordnet 36 Tonhöhen feste Dauern, Anschlagsarten und Lautstärken zu, behandelt diese Werte aber als Modus, nicht als geordnete Reihe. Pierre Boulez formte daraus geordnete Reihen für Structures I (1952), Karlheinz Stockhausen schrieb nach der Begegnung mit dem Stück 1951 Kreuzspiel. Unabhängig davon serialisierte Milton Babbitt in den USA schon in den Three Compositions for Piano (1947) auch die Rhythmik. Die Richtung beruhte auf dem Gedanken, die Musik von überlieferten Gewohnheiten zu lösen und neu aus einem geordneten System aufzubauen. Bald zeigte sich ein Widerspruch: Je stärker jeder Einzelwert festgelegt ist, desto weniger nimmt das Ohr eine Ordnung wahr. Iannis Xenakis schrieb 1955 in den Gravesaner Blättern, die lineare Polyphonie zerstöre sich durch ihre Komplexität selbst; zu hören sei nur eine Anhäufung von Tönen in verschiedenen Registern. Als Antwort entwickelten Komponisten Verfahren, die mit Gruppen, Feldern und statistischen Mitteln arbeiten, und teils die Freiheit der Ausführenden einbeziehen. Die Auseinandersetzung mit dem Serialismus prägte die Musik der zweiten Jahrhunderthälfte auch dort, wo seine Verfahren abgelehnt wurden.

Spielpraxis

Rechne mit hoher Genauigkeit in allen Parametern: Dynamikangaben für einzelne Töne, komplexe Rhythmen, ständig wechselnde Artikulation. Zähle kleinteilig und unterteile, statt dich auf das Gehör zu verlassen, und übe komplizierte Rhythmen zuerst langsam mit dem Metronom in der kleinsten gemeinsamen Unterteilung. Übe Tonhöhen mit Bezugstönen und arbeite gesondert an der Intonation. Nimm die Pausen ernst.

Verschaffe dir aus dem Vorwort oder aus der Literatur einen Überblick über die Anlage des Werkes. Auch wenn das System nicht hörbar ist, hilft seine Kenntnis beim Üben: Wer die Ordnung kennt, findet Zusammenhänge und merkt sich Abläufe leichter. Prüfe bei sehr komplexen Rhythmen, ob eine vereinfachte Zählweise verabredet werden kann, ohne das Ergebnis zu verändern.