Ausdruck
Die feine Nuancierung von Tempo, Dynamik und Klangfarbe im Vortrag, die über die reine Notenschrift hinausgeht.
Was es bedeutet
Ausdruck bezeichnet die feine Nuancierung von Tempo, Dynamik, Klangfarbe und Phrasierung im Vortrag, die über das hinausgeht, was die Notenschrift im Einzelnen festlegen kann. Zwei Ausführende, die dieselben Noten spielen, können durch unterschiedlichen Ausdruck ganz verschiedene Wirkungen erzielen.
Ausdruck ist damit kein zusätzlicher Schmuck, sondern das, was eine Interpretation überhaupt erst zu einer eigenständigen künstlerischen Leistung macht. Er entsteht aus der Deutung von Spannungsbögen, harmonischen Zielpunkten und rhythmischen Schwerpunkten, die der Notentext nur andeutet.
Musikalische Verwendung
Komponisten versuchen seit dem 18. Jahrhundert zunehmend, Ausdruck durch Vortragsanweisungen wie espressivo, dolce oder con affetto sowie durch differenzierte Dynamik- und Artikulationsangaben zu lenken, ohne ihn dabei vollständig festschreiben zu können. In der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts und später in der Romantik rückt der Ausdruck als ästhetisches Ideal in den Vordergrund: Musik soll unmittelbar Gefühl vermitteln, nicht nur kunstvoll gebaut sein.
Abzugrenzen ist der Ausdruck von bloßer technischer Korrektheit; ein fehlerfrei, aber ausdruckslos gespieltes Stück gilt gemeinhin als unbefriedigend. Ebenso unterscheidet er sich von Agogik und Dynamik, die als konkrete musikalische Mittel dem Ausdruck dienen, ihn aber nicht erschöpfen: Ausdruck bezeichnet das übergeordnete Ziel, Agogik und Dynamik die Werkzeuge dazu.
Spielpraxis
Suche vor dem Üben eines Stücks nach seinen inneren Spannungsbögen: Wohin steuert eine Phrase, welcher Ton trägt das Gewicht? Setze Tempo- und Lautstärkeschwankungen bewusst ein, aber sparsam genug, dass sie als gestalterische Entscheidung hörbar bleiben und nicht in Beliebigkeit zerfallen.