Bänkelsänger
Fahrender Sänger, der auf Jahrmärkten Moritaten vortrug.
Was es bedeutet
Der Bänkelsänger war ein fahrender Sänger, der auf Jahrmärkten, Kirmesplätzen und an Straßenecken stand, oft auf einer kleinen Bank oder einem Podest, um über die Köpfe der Zuhörer hinweg sichtbar zu sein. Er trug in einfacher, eingängiger Melodie Moritaten vor: erzählende Lieder über Verbrechen, Katastrophen, Sensationen oder moralische Lehrstücke.
Zur Vorführung gehörte meist eine gemalte Bildtafel, die die Handlung in mehreren Szenen zeigte und die der Sänger mit einem Zeigestock Zeile für Zeile erläuterte, während er sang.
Musikalische Verwendung
Der Bänkelgesang war vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert eine populäre Form der Straßen- und Marktunterhaltung in deutschsprachigen Ländern. Musikalisch einfach gehalten, mit wenigen wiederkehrenden Melodiefloskeln und oft schematischen Strophenformen, zielte er auf eine breite, meist des Notenlesens unkundige Zuhörerschaft.
Abzugrenzen ist der Bänkelsänger vom höfischen Minnesänger und vom zünftig organisierten Meistersinger: Er stand außerhalb dieser Traditionen, gehörte zur fahrenden, oft randständigen Unterhaltungskultur und wurde gesellschaftlich meist gering geachtet. Nachwirkungen des Bänkelgesangs finden sich im Kabarett und im Chanson des frühen 20. Jahrhunderts, etwa bei Bertolt Brecht und Kurt Weill.
Weitere Bezeichnungen
Verwandte Bezeichnungen sind Moritatensänger und Zeitungssänger.