Beklemmt
Beengt, schwermütig.
Was es bedeutet
Beklemmt ist eine deutsche Vortragsbezeichnung und verlangt einen beengten, gedrückten Ausdruck. Die Musik soll wirken, als fehle ihr der Raum: zurückgehaltener Ton, gehemmte Bewegung, ein Ausdruck von Bedrängnis.
Die Angabe unterscheidet sich von den Wörtern für Trauer und Schmerz — schwermütig, doloroso — durch die Beengtheit: Dort klagt die Musik, hier hält sie an sich. Von verhalten, das allgemein Zurückhaltung meint, unterscheidet sie sich durch die negative Färbung.
Wie alle deutschen Charakterwörter ist der Begriff nicht streng definiert. Er erklärt die Absicht des Komponisten und überlässt die Mittel dem Ausführenden.
Im Notenbild
Das Wort steht über dem System am Beginn des betreffenden Abschnitts und gilt bis zu einer neuen Angabe. Es findet sich häufig in Verbindung mit leiser Dynamik, engen Melodielinien, chromatischen Wendungen und einer Begleitung, die den Bewegungsraum einschränkt — etwa durch gleichbleibende Figuren oder liegende Töne.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Bezeichnung in Abschnitten, die einen Zustand innerer Bedrängnis schildern: in Liedern mit entsprechendem Text, in Mittelteilen von Charakterstücken, in Kammermusiksätzen mit gespanntem Ausdruck. Sie gehört zu jener Gruppe deutscher Vortragswörter, mit denen Komponisten des 19. Jahrhunderts den Ausdruck genauer festlegen wollten, als es die italienischen Begriffe erlaubten.
Die Anweisung steht vor allem in der Musik der Romantik und des frühen 20. Jahrhunderts, bekannt ist sie aus Beethovens Streichquartett op. 130, in dessen Cavatina eine Passage mit beklemmt überschrieben ist. Sie verlangt einen gedrückten, zögernden Ton, der wie gegen einen inneren Widerstand gesprochen wirkt. Kurze Phrasen, kleine Pausen und zurückgenommene Lautstärke helfen, diesen Charakter zu treffen. ## Spielpraxis
Nimm den Ton zurück, ohne ihn zu verkleinern: Beengtheit entsteht aus gehaltener Spannung, nicht aus Kraftlosigkeit. Halte das Tempo eher stetig und vermeide großzügiges Dehnen; gerade das Fehlen von Freiheit gehört zum Ausdruck. Arbeite chromatische Wendungen und Dissonanzen deutlich heraus. Und halte die Dynamik in engen Grenzen — große Bögen widersprechen dem gemeinten Charakter.