Carillon
Glockenspiel im Kirchturm, mit Klaviatur spielbar.
Was es bedeutet
Ein Carillon ist ein aus vielen gestimmten Bronzeglocken bestehendes Turminstrument, das über eine eigene Klaviatur gespielt wird. Die Glocken hängen fest; bewegt werden nur die Klöppel, die über ein Gestänge mit Stocktasten und einer Pedalklaviatur verbunden sind. Der Spieler schlägt die Tasten mit der lockeren Faust an und bedient die tiefen Glocken mit den Füßen. Ein vollwertiges Instrument umfasst mehrere Oktaven in chromatischer Folge; kleinere Anlagen mit wenigen Glocken zählen nicht dazu.
Musikalische Verwendung
Carillons entstanden in den Niederlanden und im heutigen Belgien und verbreiteten sich von dort; sie gehören bis heute zum Klangbild vieler Städte. Gespielt werden Bearbeitungen, Volkslieder und ein eigenes Originalrepertoire. Die Besonderheit liegt im Klang der Glocke selbst: Ihr Teiltonaufbau ist nicht harmonisch wie bei einer Saite, sondern enthält unter anderem einen Terzton, der den Klang zwischen Dur und Moll schweben lässt. Daraus folgt eine eigene Satzweise — dichte Akkorde verschwimmen, weite Lagen und klare Linien tragen besser. Vom Glockenspiel im Orchester unterscheidet sich das Carillon durch Größe, Aufstellung und Spielart.
Spielpraxis
Die Dynamik entsteht allein aus der Wucht des Anschlags, und sie ist erstaunlich fein abstufbar; arbeite mit dem Gewicht des Arms, nicht mit Kraft. Rechne mit langem Nachklang und plane deshalb Pausen und dünne Sätze ein, damit die Harmonien sich nicht überlagern. Berücksichtige die Verzögerung zwischen Anschlag und hörbarem Klang draußen sowie die Tatsache, dass du im Spielraum ein anderes Klangbild hörst als das Publikum unten. Für den Tiefbass nutze die Pedale und halte den Oberkörper ruhig. Rücksicht auf die Umgebung gehört zur Praxis: Spielzeiten und Lautstärke werden meist verbindlich geregelt.
der Klang einer Glocke mit der Lautstärke seine Farbe ändert: Kräftige Schläge betonen die unharmonischen Teiltöne und lassen den Akkord unruhig wirken. Arbeite deshalb in dichten Sätzen eher leise und setze kräftige Schläge gezielt ein. Prüfe vor dem Spiel die Mechanik, weil verzogenes Gestänge die Ansprache einzelner Töne verzögert. Bei Stücken mit Pedalbass lohnt es, die Fußstimme gesondert zu üben. Erkundige dich nach den örtlichen Regelungen für Spielzeiten, bevor du eine Aufführung planst.