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Vokal

Choralis

Gregorianischer Tonsatz im Choralstil.

Was es bedeutet

Choralis ist die lateinische Adjektivform zu Choral und begegnet vor allem in Buchtiteln und Werkbezeichnungen der Renaissance und des Barock, etwa wenn eine Sammlung Gesänge nach dem Choral bezeichnet oder Sätze über Choralmelodien enthält. Das bekannteste Beispiel ist der Choralis Constantinus von Heinrich Isaac, den sein Schüler Ludwig Senfl 1550–1555 in Nürnberg in drei Bänden herausgab: über 375 mehrstimmige Sätze über gregorianische Melodien des Messproprium. Gemeint ist mit dem Wort ein Bezug zum einstimmigen liturgischen Gesang: Entweder handelt es sich um den Choral selbst, um eine mehrstimmige Bearbeitung über einer Choralmelodie oder um einen Satz, der dem Choralstil nachgebildet ist.

Musikalische Verwendung

Der Rückgriff auf Choralmelodien ist eine der wichtigsten Kompositionstechniken der älteren europäischen Musik. Eine vorgegebene Melodie wird als Cantus firmus in eine Stimme gelegt, meist in langen Notenwerten, während die übrigen Stimmen sie umspielen. So entsteht eine Verbindung zwischen der liturgischen Überlieferung und der kunstvollen Mehrstimmigkeit. Auch im protestantischen Bereich lebt das Prinzip fort, dort mit den Melodien des Kirchenlieds, die in Choralvorspiel, Choralbearbeitung und Kantate verarbeitet werden. Die Bezeichnungen in Quellen sind nicht einheitlich und müssen im Einzelfall geprüft werden.

Spielpraxis

Bestimme bei einem Satz über eine Choralmelodie zuerst, in welcher Stimme die vorgegebene Melodie liegt, und mache sie hörbar, ohne die anderen Stimmen zu unterdrücken — gerade in langen Notenwerten geht sie sonst verloren. Kenne die zugrunde liegende Melodie und ihren Text, weil Gliederung und Betonung daraus folgen. Bei Orgelbearbeitungen wähle eine Registrierung, die den Cantus firmus abhebt, etwa durch ein Soloregister auf einem eigenen Manual. Prüfe die Herkunft der verwendeten Melodiefassung, da Choräle in verschiedenen Varianten überliefert sind.

Choralmelodien liefen in verschiedenen rhythmischen Fassungen um: Dieselbe Melodie kann gleichmäßig oder in ungleichen Werten überliefert sein, und Komponisten setzen mal die eine, mal die andere Gestalt voraus. Passe die Gemeindebegleitung gegebenenfalls an die verwendete Fassung an.