Circolo mezzo
Halbkreisförmige Verzierungsfigur.
Was es bedeutet
Circolo mezzo — „halber Kreis" — bezeichnet eine Verzierungsfigur, die den Hauptton umkreist: Die Melodie führt über einen Nebenton zum Ausgangston zurück und beschreibt dabei eine bogenförmige Bewegung. Der Name stammt aus der italienischen Verzierungslehre des 16. und 17. Jahrhunderts, in der zahlreiche solcher Figuren eigene Namen tragen.
In der Wirkung steht die Figur dem Doppelschlag nahe, der den Hauptton ebenfalls mit seinen Nachbartönen umspielt. Die Abgrenzung zwischen den überlieferten Figuren ist unscharf, weil die Lehrbücher jener Zeit unterschiedliche Bezeichnungen und Ausführungen kennen und sich die Terminologie von Autor zu Autor unterscheidet.
Wer mit solchen Begriffen arbeitet, sollte deshalb stets die Quelle mitbedenken, aus der eine Bezeichnung stammt.
Im Notenbild
Ein eigenes, allgemein gebräuchliches Zeichen gibt es nicht. In den historischen Verzierungstabellen wird die Figur ausgeschrieben dargestellt, also in der Ausführung notiert. In modernen Ausgaben alter Musik erscheinen solche Figuren entweder ausgeschrieben oder in einer Fußnote erläutert.
Musikalische Verwendung
Verzierungsfiguren dieser Art gehören zur Praxis des Diminuierens: Längere Notenwerte einer vorgegebenen Melodie werden in kleinere aufgelöst und dabei ausgeschmückt. Sänger und Instrumentalisten des 16. und 17. Jahrhunderts lernten solche Figuren als Vorrat, aus dem sie beim Vortrag schöpften. Sie stehen typischerweise an Kadenzen und auf langen Tönen.
Beschrieben wird sie unter anderem bei Wolfgang Caspar Printz und Johann Gottfried Walther. Zwei solcher Halbkreise ergeben den vollständigen Circolo. Die Bezeichnung findet sich in deutschen Lehrwerken der Barockzeit. Im Notenbild ist die Figur meist ausgeschrieben, ein eigenes Verzierungszeichen hat sie nicht.
Spielpraxis
Führe die Figur leicht und ohne Betonung aus; sie schmückt den Hauptton, sie ersetzt ihn nicht. Achte darauf, dass der Zielton auf seiner Zählzeit bleibt. Halte die Töne der Figur gleichmäßig, statt den ersten zu dehnen. Und ziehe bei der Ausführung eine historische Verzierungstabelle heran, wenn die Ausgabe eine Quelle nennt — die Vorstellungen dazu gehen auseinander.