Citole
Mittelalterliches Zupfinstrument.
Was es bedeutet
Die Citole ist ein Zupfinstrument des Mittelalters mit flachem, oft aus einem Stück gearbeitetem Korpus, kurzem Hals und meist vier Saiten, die mit einem Plektron angerissen wurden. Ihr Umriss weicht von der bauchigen Laute deutlich ab: Der Körper läuft häufig schulterartig in den Hals über, und die Rückseite steigt von beiden Seiten zu einem mittleren Grat an, weder gewölbt wie bei der Laute noch flach. Nur eine Citole ist annähernd erhalten (Warwick Castle, um 1290–1300, heute im British Museum); das meiste Wissen stammt aus Bildquellen und Beschreibungen, weshalb Angaben zu Saitenzahl und Stimmung unsicher bleiben.
Musikalische Verwendung
Zwischen etwa 1200 und 1350 erscheint die Citole häufig in Darstellungen höfischen Musizierens, meist als Begleitinstrument zu Gesang und Tanz oder im Zusammenspiel mit anderen leisen Instrumenten. Wegen des Plektrons eignet sie sich besonders für einstimmige Melodien mit klarem Anschlag sowie für einfache Bordunbegleitung. Gegen Ende des Mittelalters verliert sie an Bedeutung; ihr Bautyp wird oft als eine der Vorstufen späterer Instrumente wie der Cister betrachtet, doch die Entwicklungslinien sind nicht lückenlos belegt und werden in der Forschung unterschiedlich gezeichnet.
Spielpraxis
Heutige Spieler greifen auf Nachbauten zurück, die sich an Bildquellen und dem wenigen erhaltenen Material orientieren; deshalb unterscheiden sich Instrumente verschiedener Werkstätten erheblich in Mensur, Besaitung und Klang. Gespielt wird mit einem Plektron, klassischerweise aus Feder oder Horn, mit deutlichem Anschlag und sparsamem Dämpfen. Für Tanzmusik trägt ein rhythmisch fester Anschlag mehr als Verzierungsreichtum. Stimme das Instrument nach dem Ensemble und nicht nach einem festen Normalton, da in der Alten Musik verschiedene Stimmtonhöhen gebräuchlich sind. Halte Darmsaiten vor Feuchtigkeit geschützt und rechne damit, dass sie häufiger nachgestimmt werden müssen.
In der mittelalterlichen Ensemblepraxis folgen die Instrumente meist dem Gesang oder verdoppeln ihn; eine eigenständige Begleitstimme im späteren Sinn ist nicht vorauszusetzen. Halte den Satz einfach und arbeite mit Bordunklängen und rhythmischer Stütze. Prüfe die Saitenwahl, da Darm und Metall den Klang grundlegend verschieden machen und die Quellen darüber wenig sagen. Mach in Programmtexten kenntlich, dass die heutige Spielweise auf Rekonstruktion beruht.