Forschung
Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Musik.
Was es bedeutet
Musikforschung ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Musik in all ihren Erscheinungsformen. Sie gliedert sich herkömmlich in drei große Bereiche: die historische Musikwissenschaft, die Quellen, Werke und ihre Zusammenhänge untersucht; die systematische, die sich mit Akustik, Wahrnehmung, Theorie und Ästhetik befasst; und die vergleichende oder ethnologische, die Musikkulturen der Welt erforscht.
Musikalische Verwendung
Für Musizierende sind vor allem drei Ergebnisse dieser Arbeit unmittelbar nützlich. Erstens die Editionen: Urtextausgaben und Gesamtausgaben beruhen auf dem Vergleich aller erreichbaren Quellen, und der zugehörige Kritische Bericht legt offen, welche Lesart woher stammt und wo Zweifel bestehen. Zweitens die Aufführungspraxis: Was über Besetzungen, Stimmtonhöhen, Verzierung, Artikulation und Tempoauffassung bekannt ist, stammt aus der Auswertung historischer Lehrwerke, Instrumente und Dokumente. Drittens die Notationskunde, ohne die ältere Quellen nicht lesbar wären.
Zur Arbeit gehört der Umgang mit Unsicherheit. Vieles ist gesichert, anderes begründet erschlossen, manches offen — die Deutung der Chiavette, die Reichweite der musica ficta, die Ausführung von Punktierungen im Barock gehören zu den Fragen, in denen verschiedene Auffassungen nebeneinanderstehen. Eine gute Ausgabe sagt, wo sie sich entschieden hat, statt die Entscheidung zu verbergen.
Abzugrenzen ist die Forschung von der Musikkritik, die Aufführungen und Werke bewertet, und von der Werkeinführung im Programmheft, die vermittelt, aber nicht selbst untersucht.
Die Zweiteilung in historische und systematische Musikwissenschaft geht auf Guido Adlers Aufsatz Umfang, Methode und Ziel der Musikwissenschaft zurück, der 1885 das erste Heft der Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft eröffnete. Die vergleichende Musikwissenschaft zählte Adler noch zum systematischen Teil; erst später wurde sie als Musikethnologie zu einem eigenständigen dritten Bereich.
Spielpraxis
Lies bei einem neuen Stück das Vorwort und den Kritischen Bericht deiner Ausgabe, zumindest zu den Stellen, an denen du unsicher bist — dort steht oft, warum eine Stelle so aussieht, wie sie aussieht. Vergleiche bei strittigen Passagen zwei Ausgaben. Und trenne beim Informieren zuverlässige Darstellungen von Anekdoten; was gesichert ist, wird in wissenschaftlicher Literatur als solches gekennzeichnet.