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Notation

Mensural-Notation

Notenschrift der mehrstimmigen Musik vom späten 13. bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Was es bedeutet

Die Mensuralnotation ist das Notationssystem der mehrstimmigen Musik vom späten 13. bis ins frühe 17. Jahrhundert. Ihre Neuerung gegenüber der älteren Neumenschrift liegt im Namen: Sie misst die Dauer. Während Neumen vor allem Tonhöhe und Bewegungsrichtung festhalten und die Dauer dem Vortrag überlassen, legt die Mensuralnotation für jedes Zeichen einen bestimmten Wert fest — die Voraussetzung dafür, dass mehrere selbständige Stimmen zusammengeführt werden können.

Im Notenbild

Die Werte heißen von oben nach unten Maxima, Longa, Brevis, Semibrevis, Minima und darunter noch kleinere Stufen. In der älteren Form sind die Köpfe ausgefüllt (schwarze Notation), ab der Mitte des 15. Jahrhunderts überwiegend leer (weiße Notation), vermutlich weil statt Pergament zunehmend Papier beschrieben wurde. Wie sich die Werte zueinander verhalten, sagt das Mensurzeichen: Die Teilung kann zwei- oder dreiteilig sein, und zwar für jede Stufe getrennt. Taktstriche fehlen. Mehrere Töne einer Silbe werden zu Ligaturen zusammengefasst, deren Gestalt zugleich die Werte angibt; ein Punctus kann verlängern oder gliedern.

Musikalische Verwendung

Auf dieser Grundlage entstand der gesamte polyphone Bestand von der Ars antiqua bis zur Vokalpolyphonie der Renaissance. Überliefert ist er meist nicht in Partituren, sondern in Chorbüchern oder Stimmbüchern, in denen jede Stimme für sich steht. Mit dem 17. Jahrhundert setzten sich die durchgehend zweiteilige Teilung, der Taktstrich und die Partituranordnung durch; aus der Semibrevis wurde die heutige Ganze Note, aus den Mensurzeichen die Taktangabe.

Beschrieben und geregelt wurde eine frühe Form um 1280 von Franco von Köln in seinem Traktat Ars cantus mensurabilis. Die französische Ars nova des 14. Jahrhunderts erweiterte das System um kleinere Werte und um die Prolatio, die Teilung der Semibrevis in Minimen.

Spielpraxis

Für das Musizieren ist eine moderne Übertragung der richtige Weg; das Original lohnt daneben als Kontrolle. Achte bei Übertragungen darauf, dass aufgesetzte Taktstriche eine Betonungsordnung suggerieren, die die Musik so nicht kennt — die Gliederung ergibt sich aus Text und Stimmführung. Übe deshalb, über die Taktstriche hinweg zu phrasieren, und richte dich nach den Kadenzen statt nach den Strichen.