Tempus
Tempus (lateinisch „Zeit“) bezeichnet in der Mensuralnotation des Mittelalters und der Renaissance die Teilung der Brevis: dreizeitig beim Vollkreis, zweizeitig beim Halbkreis. Aus dem offenen Halbkreis entstand das heutige C für den 4/4-Takt, durchgestrichen wurde er zum Alla-breve-Zeichen.
- Bedeutung
- Zeit, Teilung der Brevis
- Vollkreis
- Tempus perfectum, dreizeitig
- Halbkreis
- Tempus imperfectum, zweizeitig
- Heute
- C = 4/4, ¢ = Alla breve (2/2)
- Epoche
- Mittelalter bis Renaissance
Vom Kreis zum C
Die Seite Rhythmus sagt es knapp: Der Viervierteltakt wird auch „C“ geschrieben, von tempus imperfectum. Die Seite Notations-Symbole erklärt die Herkunft ausführlicher: Mensurzeichen stehen am Beginn einer Stimme wie heute die Taktangabe. Der Kreis galt als Symbol der Vollkommenheit, der Dreifaltigkeit, daher heißt die dreizeitige Teilung „perfectum“. Der offene Halbkreis zeigt die „unvollkommene“, zweizeitige Zeit.
| Zeichen | Name | Teilung | Moderne Entsprechung |
|---|---|---|---|
| Vollkreis | Tempus perfectum | Brevis = 3 Semibreves | etwa 3/2 |
| Kreis mit Punkt | Tempus perfectum, Prolatio perfecta | Brevis = 9 Minimen | etwa 9/8 |
| Halbkreis mit Punkt | Tempus imperfectum, Prolatio perfecta | Brevis = 6 Minimen | etwa 6/8 |
| Halbkreis | Tempus imperfectum | durchgehend zweizeitig | etwa 4/4 oder 2/2, heutiges C |
Aus dem Halbkreis ohne Punkt entstand nach der Seite das heutige C für den 4/4-Takt, durchgestrichen wurde es zum Alla-breve-Zeichen. Das ¢ steht für den 2/2-Takt, also zwei Halbe pro Takt. Die Zeichen mit Punkt bestimmen die Prolatio, die Teilung der Semibrevis. Das ergibt etwa 9/8 beim Kreis mit Punkt und 6/8 beim Halbkreis mit Punkt, in der französischen Musik des 14. Jahrhunderts häufig, etwa bei Guillaume de Machaut.
C und ¢ im Notenarchiv
Gitarre
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Gitarrenschule, Stück Nr. 9 Johann Kaspar Mertz · aus: Guitar-Skole · Gitarre · 1 Seite
Das Taktzeichen ist das C, der Abkömmling des Halbkreises: 4/4.
Klavier
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Mondscheinsonate, 1. Satz Ludwig van Beethoven, Sonate Nr. 14 cis-Moll, op. 27 Nr. 2 · Klavier · 5 Seiten
Das Taktzeichen ist das durchgestrichene C (¢), das Alla-breve-Zeichen, vier Kreuze in der Vorzeichnung.
Gesang und Klavier
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Ich lade gern mir Gäste ein Aria aus Die Fledermaus · Gesang und Klavier, mit Akkorden für Gitarre
Ebenfalls das durchgestrichene C (Alla breve), „Allegro non troppo“, fünf b in der Vorzeichnung.
Das Zeichen ¢ steht bei Beethoven und in der Fledermaus-Arie, das schlichte C etwa bei Mertz. Die beiden Zeichen sind nicht austauschbar: Das durchgestrichene steht für den Alla-breve-Takt. Ein „4/4“ wäre für die Mondscheinsonate falsch.
Häufige Fehler
- C und ¢ gleichsetzen: Das durchgestrichene Zeichen ist der Alla-breve-Takt.
- Das C für „Common time“ halten: Der Buchstabe stammt vom Halbkreis des tempus imperfectum.
- Die Mensurzeichen wie Taktangaben lesen: Sie legen die Zeitteilung fest, die moderne Entsprechung ist nur ungefähr.
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Verwandte Begriffe
ViervierteltaktTaktTaktartTaktstrichMensural-NotationHalbe NoteViertelnote
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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