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Notation

Neume

Frühes Notenzeichen über lateinischem Text.

Was es bedeutet

Neumen sind die Zeichen der frühesten abendländischen Notenschrift. Sie stehen über dem lateinischen Text und geben an, wie die Melodie zu einer Silbe verläuft — aufwärts, abwärts, als einzelner Ton oder als Gruppe mehrerer Töne. In ihrer ältesten Form legen sie die Tonhöhen nicht genau fest: Sie erinnern an eine Melodie, die man bereits kennt, statt sie erstmals mitzuteilen.

Im Notenbild

Die Grundformen sind wenige: ein Zeichen für einen einzelnen höheren, eines für einen einzelnen tieferen Ton, dazu zweitönige Gruppen für Auf- und Abwärtsbewegung — die absteigende heißt Clivis — und drei- oder mehrtönige Verbindungen. Zusatzstriche und beigeschriebene Buchstaben enthalten Hinweise auf Vortrag und Bewegung. Die Schreibweisen unterscheiden sich regional erheblich. Mit dem Aufkommen einer Linie als Bezugshöhe und später eines mehrlinigen Systems wurden die Tonhöhen eindeutig; daraus entwickelte sich die Quadratnotation, in der die Zeichen als Quadrate und Rauten auf vier Linien stehen. Bei übereinanderstehenden Köpfen wird von unten nach oben gelesen: Beim Pes steht der tiefere Ton unten und wird zuerst gesungen.

Musikalische Verwendung

Getragen wurde diese Schrift vom einstimmigen liturgischen Gesang. Ihre Aufgabe war nicht, eine unbekannte Melodie zu vermitteln, sondern eine mündlich gelernte zu sichern und die Übereinstimmung zwischen den Kirchen zu befördern. Aus dem Bedürfnis nach genauer Tonhöhenangabe entstand das Liniensystem, aus dem Bedürfnis nach genauer Dauerangabe später die Mensuralnotation — die gesamte spätere Notenschrift geht auf diese Anfänge zurück.

Abzugrenzen ist die Neume von der Ligatur: Diese fasst ebenfalls Töne zusammen, legt aber zusätzlich deren Dauer fest.

Die ältesten Neumenquellen stammen aus dem 9. Jahrhundert. ## Spielpraxis

Singe eine mehrtönige Neume als eine Bewegung auf einer Silbe, nicht als Folge einzelner Töne — das Gewicht liegt am Anfang, der Rest schließt sich an. Lies übereinanderstehende Noten wie beim Pes von unten nach oben; erst dann folgt die nächste Gruppe. Und richte die Phrasierung nach dem Text: Wortbetonung und Sinneinschnitte bestimmen hier den Vortrag, nicht ein Taktmaß.