Neume
Eine Neume ist ein frühes Notenzeichen über einem lateinischen Text. Neumen zeigen nicht Tonhöhe und Dauer, wie wir sie kennen, sondern die Richtung der Melodie auf einer Silbe. Sie bilden den Anfang der abendländischen Notenschrift.
- Epoche
- 9. bis 14. Jahrhundert
- Zeigt
- Richtung der Melodie auf einer Silbe
- Verwendet in
- gregorianischem Choral
- Weiterentwicklung
- quadratische Notenköpfe der Choralnotation, später Notenlinien
- Auf Maikstrings
- Kategorie „Historisch“ in Notations-Symbole
Schrift für die Singstimme
Die ersten Neumen standen ohne Notenlinien über dem lateinischen Text. Die Seite Notations-Symbole beschreibt, was daraus folgt: Ohne Linien zeigte allein die grafische Form, ob die Stimme nach oben oder unten geht. Das Punctum, der einzelne Punkt, markiert einen Ton ohne weitere Bewegung. Aus ihm entwickelten sich später die quadratischen Notenköpfe der Choralnotation des Mittelalters. Die Seite nennt das Punctum den Grundbaustein der gregorianischen Choralnotation.
| Neume | Form | Tonfolge auf einer Silbe |
|---|---|---|
| Punctum | ein Punkt oder eine kleine Raute | ein einzelner Ton ohne Bewegung |
| Virga | Punctum mit Strich | ein Ton höher als der vorhergehende |
| Clivis | zwei verbundene Punkte | zwei Töne abwärts |
| Pes (Podatus) | zwei verbundene Quadrate, das untere zuerst | zwei Töne aufwärts |
| Torculus | drei verbundene Punkte | tief – hoch – tief |
| Porrectus | diagonaler Balken mit Quadrat | hoch – tief – hoch |
Die Beschreibung der Formen stammt von der Seite Notations-Symbole, wo jedes Zeichen mit Erklärung und Epoche steht.
Mehrere Töne auf einer Silbe
Clivis, Pes, Torculus und Porrectus tragen mehr als einen Ton. Auf der Seite Notations-Symbole steht: Die Clivis markiert ein Melisma, mehrere Töne auf einer einzigen Textsilbe. Sie ist das absteigende Gegenstück zum Pes, der aufsteigt. Zusammen mit Punctum und Virga bilden Clivis und Pes die Basis-Neumen. Besonders in Alleluja-Versen und Tropen kommen solche Melismen vor.
Der Torculus steigt zum Spitzenton und fällt zurück, eine kurze melodische Welle. Er ist im Jubilus des Alleluja typisch, der textlosen Vokalise. Der Porrectus ist die Gegenbewegung: eine Senkung mit anschließender Wiederhebung, gewissermaßen das Tal zwischen zwei Höhepunkten. Er gehört zu den Grundformen der Quadratnotation des Mittelalters.
Vom Punkt zur Linie
Die Virga ist die erste „richtungsanzeigende“ Neume: Sie markiert laut Seite eine höhere Note als die vorhergehende. Wie hoch genau, zeigten erst die Notenlinien, die später dazukamen.
Ein Zeichen aus dieser Welt ist der Custos. Er steht am Ende einer Notenzeile und kündigt die erste Note der folgenden Zeile an. Er hilft dem Sänger, schon das nächste Stück der Melodie zu sehen, bevor die Zeile ausgesungen ist. In Choralhandschriften und in Tasteninstrument-Drucken des 15. bis 18. Jahrhunderts war er üblich, im modernen Notensatz ist er weitgehend verschwunden, aber in Urtext-Ausgaben Alter Musik bewahrt.
Neumen und Mehrstimmigkeit
Parallel zu den Neumen entstand die erste Mehrstimmigkeit. Die Seite Intervalle beschreibt das Organum ab dem 9. Jahrhundert: Quarte, Quinte und Oktave bildeten die Grundlage der ersten Mehrstimmigkeit überhaupt. Der Artikel Warum die Quinte hohl klingt ergänzt, dass der Organum-Satz zwei Stimmen in parallelen Quinten und Quarten führt und Terzen dort als Dissonanz galten.
Häufige Fehler
- Neumen als Tonhöhen lesen: Ohne Linien und Schlüssel zeigen sie die Richtung, nicht den genauen Ton.
- Clivis und Pes verwechseln: Die Clivis geht abwärts, der Pes aufwärts.
- Torculus und Porrectus vertauschen: Der Torculus hat die Form tief – hoch – tief, der Porrectus hoch – tief – hoch.
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Verwandte Begriffe
ChoralGregorianischer GesangNotationNotenlinienMelismaOrganumMensural-NotationCustos
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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