Custos
Kleines Zeichen am Zeilenende, das den ersten Ton der nächsten Zeile anzeigt.
Was es bedeutet
Der Custos (lateinisch für „Wächter“) ist ein Hilfszeichen der Quadratnotation des gregorianischen Chorals sowie der weißen und teils auch schwarzen Mensuralnotation. Er steht ausschließlich am Ende eines Notensystems oder unmittelbar vor einem Schlüsselwechsel und zeigt dort die Tonhöhe des ersten Tons der nächsten Zeile vorausschauend an.
Anders als reguläre Notenzeichen wird der Custos weder gesungen noch gespielt: Er dient allein als Lesehilfe, damit ausübende Sänger oder Instrumentalisten beim Zeilenwechsel den Anschluss nicht verlieren.
Im Notenbild
Grafisch erscheint der Custos meist als kleines, hakenförmiges Zeichen am rechten Rand des Notensystems, dessen Position auf den Linien die kommende Tonhöhe angibt. Er war bis ins 17. Jahrhundert in der Notenschrift sehr gebräuchlich und findet sich heute vor allem noch in modernen Ausgaben des gregorianischen Chorals wie der Editio Vaticana.