Choral
Einstimmiger liturgischer Gesang (Gregorianik) bzw. evangelisches Kirchenlied.
Was es bedeutet
Das deutsche Wort „Choral“ trägt zwei Bedeutungen. Zum einen meint es den gregorianischen Choral, den einstimmigen, unbegleiteten liturgischen Gesang der römisch-katholischen Kirche, wie er seit dem frühen Mittelalter überliefert ist. Zum anderen bezeichnet es das evangelische Kirchenlied, wie es seit der Reformation, vor allem durch Martin Luther, in der Gemeinde gesungen wird – meist mehrstimmig gesetzt, mit fester Strophenmelodie.
Beide Bedeutungen hängen historisch zusammen: Das reformatorische Kirchenlied trat an die Stelle des lateinischen liturgischen Gesangs und übernahm dessen Rolle im Gottesdienst, allerdings in der Volkssprache und rhythmisch einfacher.
Musikalische Verwendung
Der gregorianische Choral bildet über Jahrhunderte den Grundstock der katholischen Liturgie und den Ausgangspunkt der abendländischen Notenschrift und Mehrstimmigkeit. Der evangelische Choral wiederum wurde zur Keimzelle zahlreicher Formen: Choralvorspiel und Choralkantate der Orgel- und Kantatenkunst, aber auch die vierstimmigen Choralsätze, wie sie Johann Sebastian Bach in großer Zahl schuf.
Abzugrenzen ist der Choral von der freien Kirchenmusik ohne feste Strophenmelodie sowie vom weltlichen Lied: Der Choral ist stets an einen liturgischen oder geistlichen Zusammenhang gebunden.
Spielpraxis
Singst du gregorianischen Choral, achte auf den fließenden, von der Textbetonung getragenen Rhythmus ohne festes Metrum. Beim evangelischen Choral hingegen halte die Melodie klar und ruhig, damit sich eine ganze Gemeinde ihr anschließen kann.