Kantate
Mehrteilige Komposition für Soli, Chor und Orchester.
Was es bedeutet
Eine Kantate ist ein mehrteiliges Vokalwerk mit Instrumentalbegleitung, das aus einer Folge von Sätzen besteht — meist Chören, Rezitativen, Arien und häufig einem abschließenden Choral. Der Name kommt vom italienischen Wort für singen und stand ursprünglich im Gegensatz zur Sonate als gespieltem Stück. Kantaten gibt es geistlich und weltlich; die Bauweise unterscheidet sich dabei kaum, wohl aber Anlass und Textvorlage.
Musikalische Verwendung
Die Kantate entstand im 17. Jahrhundert in Italien als Kammermusik für eine oder wenige Singstimmen mit Continuo und wurde im deutschen Sprachraum zur mehrsätzigen Kirchenmusik ausgebaut, die für einen bestimmten Sonntag bestimmt ist und auf dessen Lesungen Bezug nimmt. Vom Oratorium unterscheidet sie sich durch den geringeren Umfang und das Fehlen einer durchlaufenden Handlung; vom Motettensatz durch die Gliederung in verschiedene Satztypen und die selbständige Instrumentalbegleitung. Die Übergänge zwischen den Gattungen sind fließend, und die zeitgenössischen Bezeichnungen schwanken. Im 17. Jahrhundert entstand sie in Italien als weltliche Solokantate.
Spielpraxis
Verschaffe dir einen Überblick über die Satzfolge und plane Besetzung und Kräfte entsprechend; Soli werden in vielen Werken aus dem Chor besetzt. Arbeite den Eingangschor sorgfältig aus, ohne die Kräfte zu verbrauchen. Kläre in Rezitativen die Continuo-Ausführung und die Behandlung der Schlusskadenzen. Beim Schlusschoral achtet auf Textverständlichkeit und schlichte Gestaltung. Bei liturgischer Aufführung ist die Dauer abzustimmen und der Bezug zum Sonntag zu beachten.
Kantaten in den Quellen oft nicht vollständig ausgeschrieben sind: Continuo-Stimmen sind beziffert, Verzierungen fehlen, und Besetzungsangaben sind knapp. Kläre diese Punkte vor der ersten Probe. Prüfe, ob Soli aus dem Chor besetzt werden, und plane die Kräfte entsprechend. Gestalte Rezitative sprechend und den Schlusschoral schlicht. Prüfe, ob Rezitative ungekürzt gesungen werden, denn sie tragen den Textzusammenhang. Prüfe, ob die Ausgabe eine praktische Continuo-Aussetzung enthält, und entscheide, ob du ihr folgst. Prüfe zudem, ob die Ausgabe eine Textunterlegung für den Schlusschoral in der gebräuchlichen Fassung bietet.