Melisma
Mehrere Noten auf einer Silbe.
Was es bedeutet
Ein Melisma ist eine Gruppe mehrerer Töne, die auf einer einzigen Textsilbe gesungen werden. Den Gegensatz bildet der syllabische Vortrag, bei dem auf jede Silbe genau ein Ton fällt. Zwischen beiden liegt die neumatische Schreibweise mit wenigen Tönen je Silbe. Diese Unterscheidung ist eines der wichtigsten Ordnungsmerkmale für Vokalmusik überhaupt, weil sie beschreibt, wie eng Melodie und Sprache aneinander gebunden sind.
Im Notenbild
Melismen erkennt man an mehreren Noten, die durch einen Bogen oder durch gemeinsame Balken zusammengefasst und einer Silbe zugeordnet sind. In der Quadratnotation des Chorals stehen Neumengruppen über der betreffenden Silbe. Die Silbenverteilung im gedruckten Text zeigt, wo ein Melisma beginnt und endet.
Musikalische Verwendung
Melismen setzen Akzente: Sie heben ein Wort hervor, dehnen einen Moment oder geben der Musik Raum, sich von der Sprache zu lösen. Im gregorianischen Choral sind melismatische Gesänge den herausgehobenen Stellen der Liturgie vorbehalten, während Lesungen und Psalmen syllabisch bleiben. In der Barockoper und im Oratorium werden aus Melismen ausgedehnte Koloraturen, die zugleich Ausdruck und Virtuosität tragen; häufig fallen sie auf Schlüsselwörter des Textes. In schlichter Lied- und Gemeindemusik werden sie dagegen bewusst vermieden, weil sie das gemeinsame Singen erschweren.
Spielpraxis
Halte den Vokal während des ganzen Melismas gleich; wechselnde Vokalfarben zerlegen die Linie. Übe die Tonfolge zunächst langsam und in Gruppen, damit sie nicht als Kette von Einzeltönen klingt. Achte auf gleichmäßige Beweglichkeit ohne Anstoßen jedes Tones, es sei denn, der Stil verlangt eine Artikulation. Plane den Atem so, dass das Melisma in einem Bogen liegt. Im Chor verabredet, wo die Schlusssilbe fällt, damit die Gruppe gemeinsam weitergeht.
die Silbenverteilung in Ausgaben häufig vom Herausgeber stammt: Bei älterer Musik ist sie oft nicht eindeutig überliefert, und verschiedene Ausgaben lösen sie verschieden. Lege in der Gruppe eine Verteilung fest und trage sie ein. Halte den Vokal über das ganze Melisma gleich und übe die Tonfolge in Gruppen statt als Kette von Einzeltönen. Achte darauf, ob der Stil eine Artikulation der einzelnen Töne verlangt.