Koloratur
Schnelle Verzierungsfolge im Gesang.
Was es bedeutet
Koloratur ist die deutsche Form des italienischen Begriffs coloratura und bezeichnet eine schnelle, verzierende Tonfolge im Gesang. Mehrere Töne werden dabei auf einer einzigen Textsilbe gesungen, oft als Lauf, Sprungfolge oder Trillerkette.
Das Wort geht auf das Färben zurück: Die Melodie wird gleichsam koloriert. Aus dieser Grundbedeutung hat sich der heutige Sinn entwickelt, der die technische Beweglichkeit in den Vordergrund stellt.
Vom Melisma unterscheidet sich die Koloratur graduell — Melisma meint allgemein mehrere Töne auf einer Silbe, Koloratur eine bewegliche, virtuose Ausprägung davon. Vom instrumentalen Lauf unterscheidet sie sich dadurch, dass Atem und Vokal die Ausführung bestimmen.
Als Stimmfachbezeichnung meint Koloratursopran eine Stimme, die auf solche Partien ausgerichtet ist.
Im Notenbild
Koloraturen stehen ausgeschrieben in kleinen Notenwerten, gebalkt und unter einem Bogen, der die Zugehörigkeit zur Silbe anzeigt. Der Text steht unter der ersten Note der Gruppe. In Musik des 17. und 18. Jahrhunderts sind Teile der Verzierung nicht notiert, sondern wurden vom Sänger ergänzt; moderne Ausgaben schlagen Ergänzungen mitunter in kleinem Stich vor.
Musikalische Verwendung
Die Koloratur gehört zur Opern-, Oratorien- und Kantatenpraxis seit dem 17. Jahrhundert. In der italienischen Oper des 18. und frühen 19. Jahrhunderts erreicht sie ihre größte Ausdehnung und dient zugleich dem Ausdruck: Freude, Zorn und Triumph werden durch bewegte Linien dargestellt. Auch in geistlicher Musik ist sie verbreitet, dort oft auf sinntragenden Wörtern.
Weitere Bezeichnungen
Coloratura ist die italienische Form. Sie bezeichnet sowohl die Verzierungskunst als auch, in Verbindung mit einem Stimmfach, den Koloratursopran.
Spielpraxis
Übe langsam und achte darauf, dass jeder Ton hörbar ist, bevor du das Tempo steigerst. Plane den Atem für die ganze Figur, nicht nur für ihren Anfang. Halte den Vokal über die Koloratur gleich, damit die Linie nicht zerfällt. Und arbeite die Zielnote heraus: Eine Koloratur ohne erkennbares Ziel klingt wie eine Übung.