Gorgia
Italienische Gesangsverzierung des 16. Jahrhunderts mit Koloraturen, Trillern und Läufen.
Was es bedeutet
Gorgia, italienisch von „gorga“ für „Kehle“, bezeichnet die Verzierungskunst italienischer Sängerinnen und Sänger des 16. Jahrhunderts, die Melodien mit Koloraturen, Trillern und schnellen Läufen ausschmückten. Der Name verweist darauf, dass die raschen Figuren „aus der Kehle“ gesungen wurden.
Musikalische Verwendung
Die Gorgia gehört zur Diminutionspraxis der Renaissance: Lange Notenwerte einer Melodie werden in schnelle Figuren aufgelöst. Vorlagen gaben Lehrwerke wie Diego Ortiz’ Tratado de glosas von 1553, das Beispiele auch für den vokalen Gebrauch enthält. Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde die freie Gorgia teilweise kritisiert; Giulio Caccini legte in seinen Nuove musiche (1601) Wert auf ausgeschriebene, dem Text dienende Verzierungen.
Abzugrenzen ist die Gorgia von der späteren Koloratur der Oper, die als virtuose Gesangsstimme kunstvoll notiert ist, und vom Triller als einzelner Verzierung. Die Gorgia meint die improvisierte oder eingeübte Ausschmückung einer Melodie in der Kehle als Stilmittel.
Spielpraxis
Übe Läufe und Triller zunächst langsam, mit lockerem Kehlkopf und gestütztem Atem, und steigere das Tempo erst, wenn jede Figur sauber und gleichmäßig klingt. Wähle Verzierungen, die den Text und den Affekt der Stelle unterstützen, statt sie nur virtuos auszustellen.