Kolorieren
Improvisierte Ausschmückung einer Melodie mit figurativen Verzierungen, bes. in Orgelbearbeitungen des 15./16. Jh.
Was es bedeutet
Kolorieren bezeichnet die Praxis, eine gegebene Melodie durch schnelle Durchgangs-, Wechsel- und Zierfiguren auszuschmücken, ohne ihren melodischen Kern zu verändern. Die Grundstimme, etwa eine Choralmelodie oder ein Cantus firmus, bleibt erkennbar, wird aber mit Läufen und Figuren umspielt.
Musikalische Verwendung
Die Technik war im 15. und 16. Jahrhundert vor allem in der Orgelmusik verbreitet, etwa in Intavolierungen und Choralbearbeitungen, in denen lange Notenwerte der Vorlage durch kolorierte Läufe aufgelöst wurden. Verwandte Praktiken finden sich in der Diminution des 16./17. Jahrhunderts, bei der ebenfalls längere Notenwerte in kürzere, ausschmückende Figuren aufgelöst werden; Kolorieren betont dabei eher das freie, tastenidiomatische Umspielen einer Vorlage als die systematische rhythmische Verkleinerung.
Spielpraxis
Wenn du historische Kolorierungen studierst oder selbst improvisierst, behalte den Grundton der Vorlage im Ohr — die Verzierung soll die Melodie hervortreten lassen, nicht überdecken.