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Notation

Chorbuch

Großformatige Sammelhandschrift mit Mehrstimmigkeit.

Was es bedeutet

Ein Chorbuch ist eine großformatige Handschrift, aus der mehrere Sänger gleichzeitig singen. Es enthält mehrstimmige Musik, ordnet die Stimmen aber nicht wie eine heutige Partitur untereinander, sondern verteilt sie auf die Fläche einer aufgeschlagenen Doppelseite. Die Form ergab sich aus der Praxis: Ein einziges Buch stand auf einem Pult in der Mitte, und der Chor gruppierte sich darum.

Im Notenbild

Die Anordnung ist feststehend und für heutige Augen zunächst ungewohnt. Auf der linken Seite stehen typischerweise die Oberstimme oben und die Tenorstimme darunter, auf der rechten Seite die übrigen Stimmen entsprechend. Jede Stimme läuft für sich durch, mit eigenem Schlüssel, eigener Vorzeichnung und eigenem Text; senkrecht untereinander steht nichts, was gleichzeitig erklingt. Taktstriche fehlen im Sinne heutiger Taktordnung, die Notenwerte folgen der Mensuralnotation mit ihren Ligaturen. Die Schrift ist entsprechend groß ausgeführt, damit mehrere Personen sie aus einigem Abstand lesen können; viele Bücher sind zudem kunstvoll ausgestattet.

Musikalische Verwendung

Verbreitet war diese Buchform vom Spätmittelalter bis in die Renaissance, vor allem für geistliche Mehrstimmigkeit in Kirchen und Hofkapellen. Sie bringt eine bestimmte Art des Musizierens mit sich: Wer daraus singt, sieht die eigene Stimme, hört die anderen aber nur — das Zusammenspiel entsteht durch Hören, nicht durch das Mitlesen fremder Stimmen. Für die Forschung sind Chorbücher zentrale Quellen, weil sich in ihnen ein großer Teil des erhaltenen Repertoires dieser Zeit findet.

Abzugrenzen ist das Chorbuch von der Partitur, die alle Stimmen übereinander zeigt, und vom Stimmbuch, in dem jede Stimme ein eigenes kleines Heft erhält.

Spielpraxis

Wenn ein Ensemble aus einem Faksimile singt, plane deutlich mehr Probenzeit ein als bei moderner Übertragung: Mensuralnotation, fehlende Taktstriche und die Textunterlegung wollen gelesen gelernt sein. Kläre vorab gemeinsam die Mensur und die Textverteilung, damit nicht jede Stimme eine eigene Lösung mitbringt. Für die Einstudierung selbst ist eine moderne Übertragung sinnvoll; das Faksimile lohnt danach als Kontrolle bei strittigen Stellen.