Colla parte
Begleiter folgt der Hauptstimme im Tempo.
Was es bedeutet
Colla parte heißt „mit der Stimme" und weist die Begleitung an, sich im Tempo nach der Hauptstimme zu richten. Die Führung liegt damit beim Solisten oder Sänger; die Begleitung folgt, auch wenn dieser das Zeitmaß frei gestaltet.
Gleichbedeutend sind colla voce („mit der Singstimme") und col canto. Sie alle regeln dasselbe: Wer gibt das Tempo vor.
Eine zweite Bedeutung betrifft die Besetzung: Colla parte bezeichnet auch das Mitspielen eines Instruments mit einer Vokalstimme, also das Verdoppeln der Singstimme. In Partituren alter Musik ist das eine gebräuchliche Praxis, bei der Instrumente die Chorstimmen stützen, ohne eigene Stimmen zu haben.
Welche Bedeutung gemeint ist, ergibt sich aus dem Ort der Angabe: über der Begleitung eine Tempoanweisung, in der Besetzungsangabe ein Hinweis auf Verdoppelung.
Im Notenbild
Die Wendung steht kursiv über dem System der Begleitstimme und gilt bis zu einer Angabe wie a tempo oder tempo giusto. Häufig steht sie an Stellen, an denen die Hauptstimme eine freie Passage hat. In Partituren kann sie auch in der Instrumentenangabe erscheinen.
Musikalische Verwendung
Die Anweisung gehört zur Oper, zum Oratorium und zum Lied, überall dort, wo eine Solostimme frei gestaltet und das Ensemble sich anpasst. Besonders in rezitativischen und kadenzartigen Abschnitten ist sie üblich. Sie zeigt an, dass an dieser Stelle nicht das Metrum, sondern die Deklamation den Ablauf bestimmt.
Die Anweisung ist typisch für Begleitungen von Arien und Rezitativen, wo der Sänger das Tempo frei gestaltet. Der Begleiter hört dabei aufmerksam auf Atem und Text. ## Spielpraxis
Höre voraus statt nach: Wer der Hauptstimme hinterherspielt, kommt immer zu spät. Achte auf Atem und Körperbewegung des Solisten, nicht nur auf den Klang. Halte die eigene Stimme beweglich und verzichte auf ein inneres Tempo. Und kläre die kritischen Stellen in der Probe — gerade Einsätze nach Pausen brauchen eine Verabredung.