Differentia
Schlussformel des Psalmtons.
Was es bedeutet
Die Differentia ist die Schlussformel eines Psalmtons. Beim liturgischen Psalmsingen wird der Text auf einem Rezitationston vorgetragen, den feste Wendungen einrahmen: ein Anfang, eine Mittelkadenz und eben die Differentia am Ende des Verses. Zu jedem Psalmton gibt es mehrere solcher Schlussformeln, die sich in den letzten Tönen unterscheiden. Welche davon gewählt wird, richtet sich nach der Antiphon, die den Psalm umrahmt: Die Formel führt melodisch zu deren Anfangston hin.
Im Notenbild
In liturgischen Büchern stehen die Differentiae als kurze Tonfolgen hinter der Angabe des Psalmtons, bezeichnet mit Buchstaben oder Ziffern. Bei der Antiphon ist vermerkt, welche Formel zu verwenden ist. Die Silbenverteilung wird durch Hervorhebungen im Text angezeigt, damit die betonten Silben auf die richtigen Töne fallen.
Musikalische Verwendung
Dieses System löst ein praktisches Problem: Psalmen sind unterschiedlich lang und werden in vielen verschiedenen Zusammenhängen gesungen. Statt jede Strophe eigens zu komponieren, wird ein Grundmodell verwendet, das sich jedem Text anpasst. Die Differentia sorgt dabei für den reibungslosen Anschluss an die Wiederkehr der Antiphon, sodass der Wechsel zwischen Psalmvers und Rahmen musikalisch schlüssig bleibt. Das Verfahren ist ein frühes Beispiel dafür, wie Formeln und Modelle in der Musik flexibel eingesetzt werden.
Spielpraxis
Bestimme vor dem Singen Psalmton und zugehörige Differentia und probe den Übergang zur Antiphon, weil dort die häufigsten Fehler entstehen. Verteile die Silben nach den Markierungen im Buch und nicht nach Gefühl; entscheidend ist, dass die betonten Silben auf den betonten Tönen liegen. Halte den Rezitationston ruhig und gleichmäßig und singe die Formeln ohne Verzögerung, damit der Fluss erhalten bleibt. Im Wechselgesang verabredet, welche Gruppe welchen Vers übernimmt.
die Wahl der Schlussformel nicht dem Geschmack überlassen ist: Sie richtet sich nach der Antiphon, und eine falsche Formel führt zu einem unpassenden Anschluss. Prüfe die Angabe im liturgischen Buch und trage sie ein. Übe den Übergang zur Antiphon gesondert. Achte auf gemeinsame Silbenverteilung, weil Abweichungen in der Gruppe sofort hörbar werden.