Divisi
\"Geteilt\", Stimme wird auf mehrere Spieler verteilt.
Was es bedeutet
Divisi weist ein Streicherregister an, sich aufzuteilen: Statt dass alle dieselbe Linie spielen, übernimmt ein Teil die obere, ein Teil die untere Stimme. Aus den ersten Violinen werden so zwei oder mehr Gruppen. Die Alternative wäre, mehrstimmige Stellen als Doppelgriffe zu spielen; divisi vermeidet das und erlaubt Klänge, die eine einzelne Hand gar nicht greifen könnte, außerdem ein gleichmäßigeres Vibrato und saubere Bindungen.
Im Notenbild
Im Notentext stehen die Stimmen entweder als zwei Notenköpfe an einem System mit der Angabe div., oder das System wird geteilt. Häufig ist die Aufteilung nach Pulten geregelt: die äußeren Spieler oben, die inneren unten. Aufgehoben wird divisi durch unisono oder die deutsche Angabe „vereinigt". Ohne diese Aufhebung gilt die Teilung weiter, was in langen Sätzen leicht übersehen wird.
Musikalische Verwendung
Geteilte Streicher gehören zum Klangbild der Orchestermusik seit der Romantik und werden im 20. Jahrhundert bis zur Vielstimmigkeit gesteigert, bei der jedes Pult oder sogar jeder Spieler eine eigene Linie hat. Der Preis ist Lautstärke: Zehn geteilte Spieler klingen weicher und dünner als zehn unisono spielende, und genau diese Zartheit ist oft beabsichtigt. Für dichte Akkordflächen, flirrende Klangteppiche und weit gespreizte Lagen ist die Teilung unverzichtbar.
Spielpraxis
Kläre vor der Probe, welche Pulte welche Stimme nehmen, und schreibe es in die Stimme; unklare Teilungen kosten im Orchester die meiste Zeit. Achte darauf, dass die obere Gruppe nicht automatisch dominiert — die Balance muss bewusst hergestellt werden, meist braucht die untere Stimme mehr Klang. Bei divisi a 3 an zwei Pulten wird häufig nach Reihenfolge im Register geteilt; frage im Zweifel die Stimmführung. Bei der Rückkehr zu „vereinigt" hören alle kurz auf die Intonation der Gruppe, bevor sie wieder voll spielen.
bei geteilten Stimmen die Intonation besondere Aufmerksamkeit verlangt: Zwei Hälften desselben Registers hören einander schlechter als eine geschlossene Gruppe, und Terzen zwischen ihnen schweben leicht. Übe solche Stellen gesondert und höre bewusst auf die jeweils andere Hälfte. Kläre die Aufteilung schriftlich und trage sie in die Stimmen ein. Bei mehrfacher Teilung entscheidet die Besetzungsstärke über die Balance; sprich mit der Leitung, wenn eine Stimme zu schwach besetzt ist.