Flügel
Klavier mit liegenden Saiten und Hammerwerk.
Was es bedeutet
Der Flügel ist die Bauform des Klaviers mit waagerecht liegendem Saitenbezug und flügelförmigem Gehäuse. Die Hämmer schlagen von unten gegen die Saiten und fallen durch ihr eigenes Gewicht zurück, was eine schnellere Repetition ermöglicht als beim aufrecht gebauten Pianino. Drei Pedale sind üblich: das rechte hebt alle Dämpfer, das linke verschiebt die Klaviatur, sodass weniger Saiten getroffen werden, das mittlere hält bei vielen Instrumenten die zuvor angeschlagenen Dämpfer offen. Die Länge des Instruments bestimmt die Basssaitenlänge und damit wesentlich den Klang.
Musikalische Verwendung
Der Flügel ist seit dem 19. Jahrhundert das Konzertinstrument der Klaviermusik, weil er in Klangfülle, Dynamikumfang und Ansprache dem Pianino überlegen ist. Sein Klang trägt in großen Sälen und verschmilzt zugleich gut mit Orchester und Kammermusikpartnern. Für ältere Musik stehen daneben historische Hammerflügel zur Verfügung, deren leichterer Anschlag und schlankerer Ton das Repertoire des 18. und frühen 19. Jahrhunderts anders erscheinen lassen; die Entwicklung vom frühen Hammerflügel zum heutigen Konzertflügel verlief über mehrere Jahrzehnte und ohne scharfe Grenze.
Spielpraxis
Stelle die Bankhöhe so ein, dass die Unterarme etwa waagerecht liegen, und sitze weit genug entfernt, damit die Arme Bewegungsfreiheit haben. Nutze das rechte Pedal als Klangmittel und wechsle es gehörmäßig beim Harmoniewechsel, nicht mechanisch nach Taktschlägen; das Ohr entscheidet, nicht die Vorschrift im Notentext allein. Übe das leise Anschlagen bewusst, weil die Kontrolle im Piano schwerer fällt als im Forte. Öffne den Deckel entsprechend dem Raum und der Besetzung. Lass das Instrument regelmäßig stimmen und intonieren, und halte Raumtemperatur und Luftfeuchte möglichst gleichmäßig.
der Raum das Instrument mitbestimmt: In trockener Akustik braucht der Anschlag mehr Bindung, in halligen Sälen mehr Trennung und sparsameres Pedal. Probiere vor dem Konzert verschiedene Deckelstellungen aus und höre, wenn möglich, aus dem Saal. Achte bei Kammermusik auf die Aufstellung, weil der geöffnete Deckel den Klang gerichtet abgibt. Prüfe vor dem Spielen die Pedale auf Geräusche und die Bank auf festen Stand — beides fällt im Konzert unangenehm auf und ist vorher leicht zu beheben.