Galop
Schneller 2/4-Tanz des 19. Jh.
Was es bedeutet
Der Galopp, in französischer Schreibweise Galop, ist ein schneller Paartanz im Zweivierteltakt, der im 19. Jahrhundert besonders beliebt war. Der Name verweist auf die Gangart des Pferdes: Die Tänzer bewegen sich mit raschen Hüpf- und Seitschritten durch den Saal.
Kennzeichnend sind ein sehr rasches Tempo, ein gerader Takt mit deutlicher Betonung der ersten Zählzeit und ein ausgelassener, mitreißender Charakter. Der Galopp war meist kurz und wurde häufig am Ende eines Balls oder als Abschluss einer Tanzfolge gespielt, gewissermaßen als letzter Höhepunkt.
Verwandt ist die Polka, ebenfalls ein Zweivierteltakt-Tanz des 19. Jahrhunderts, die jedoch gemäßigter und gleichmäßiger ist. Der Galopp ist rascher und stürmischer.
Im Notenbild
Der Galopp steht im Zweivierteltakt mit einer Begleitung, die den Wechsel von schwerer und leichter Zählzeit betont. Die Melodie ist rhythmisch prägnant, häufig mit wiederholten Tönen und raschen Läufen. Die Form ist klar gegliedert, meist in Abschnitten zu acht oder sechzehn Takten, oft mit einem kontrastierenden Mittelteil.
Musikalische Verwendung
Der Galopp gehörte im 19. Jahrhundert zum festen Repertoire der Ballmusik und wurde von Tanzkapellen und Unterhaltungsorchestern gespielt. Komponisten der Tanzmusik schrieben zahlreiche Galoppe. Auch in Operetten und Bühnenwerken erscheint er, oft in Szenen ausgelassenen Treibens. Als Charakterstück hat er in der Klavierliteratur überdauert.
Johann Strauss Vater schrieb zahlreiche Galopps, darunter den Großen Galopp (1839), bevor er um 1840 entschied, die Gattung nicht mehr zu bedienen; sein Sohn Johann Strauss führte sie fort. Auch Jacques Offenbach griff die Form auf: Sein „Galop infernal“ aus der Operette Orphée aux enfers (Orpheus in der Unterwelt, Uraufführung 1858) ist musikalisch ein Galopp und wurde erst Jahrzehnte später berühmt, als die Pariser Kabaretts Moulin Rouge und Folies Bergère die Melodie für den Cancan übernahmen.
Spielpraxis
Halte das Tempo rasch und gleichmäßig, ohne zu hetzen. Betone die erste Zählzeit deutlich und halte die zweite leicht. Spiele die Begleitung straff und federnd. Und achte darauf, dass die Schlusssteigerung wirklich als Höhepunkt klingt — ein Galopp lebt von seiner mitreißenden Wirkung.