Glas
Glasharmonika, Glasspiel.
Was es bedeutet
Unter dem Stichwort Glas werden Instrumente zusammengefasst, bei denen Glaskörper als Klangerzeuger dienen. Am bekanntesten ist die Glasharmonika: Auf einer waagerechten Achse sitzen ineinandergesteckte Glasschalen verschiedener Größe, die durch ein Pedal in Drehung versetzt werden; der Spieler berührt ihre Ränder mit angefeuchteten Fingern, und die Reibung erzeugt einen stehenden Ton. Daneben stehen Glasspiele aus einzelnen Kelchen, die mit Wasser gestimmt und ebenfalls am Rand gerieben oder angeschlagen werden, sowie Glasstabspiele, die mit Schlägeln gespielt werden.
Musikalische Verwendung
Der Klang ist obertonarm, weich und schwebend, ohne deutlichen Anschlagmoment; er wirkt körperlos und ist schwer zu orten, was seit dem 18. Jahrhundert zu seinem Ruf als unwirklich beitrug. Nach einer Blütezeit im späten 18. Jahrhundert, in der unter anderem Mozart für sie komponierte (Adagio KV 356, Adagio und Rondo KV 617), geriet die Glasharmonika bis etwa 1830 weitgehend außer Gebrauch, wurde aber im 20. Jahrhundert, vor allem durch Bruno Hoffmann, wiederentdeckt und erhielt neues Repertoire. Im Orchester tritt sie selten und meist mit sparsamer Begleitung auf, weil sie leise ist und in dichtem Satz sofort verschwindet. Für ähnliche Farben greifen Komponisten heute gelegentlich auch zu gestrichenen Crotales oder zur Celesta.
Spielpraxis
Halte die Finger und die Glasränder sauber und feucht; Fett und Staub verhindern die Reibung und machen den Ton stumpf. Der Druck muss sehr gleichmäßig sein — die Lautstärke entsteht aus ihm, doch zu viel erzeugt ein Quietschen. Rechne mit einer Anlaufzeit, bis der Ton steht, und plane sie musikalisch ein. Das Dämpfen geschieht durch Wegnehmen der Finger, wirkt aber träge, weshalb dichte Akkordwechsel verschwimmen. Bei Glasspielen mit Wasserstimmung kontrolliere die Füllhöhe vor jedem Auftritt, da Verdunstung die Tonhöhe verändert. Transportiere die Instrumente stets bruchsicher verpackt.
Der Klang ist sehr leise und verschwindet im Konzert leicht: Kläre Besetzung und Aufstellung so, dass das Instrument nahe am Publikum steht und die Begleitung dünn bleibt. Bei Verstärkung ist die Mikrofonierung heikel, weil Nebengeräusche der Mechanik mit aufgenommen werden. Halte Wasser und ein Tuch bereit, damit die Ränder auch während des Auftritts feucht bleiben.