Harmonium
Tasteninstrument mit Durchschlagzungen.
Was es bedeutet
Das Harmonium ist ein Tasteninstrument, dessen Töne von durchschlagenden Metallzungen erzeugt werden. Der Spieler tritt mit den Füßen Schöpfbälge, die den Wind liefern; über die Tasten öffnen sich Ventile, und die Luft bringt die zugehörigen Zungen zum Schwingen. Register schalten verschiedene Zungensätze zu, häufig getrennt für Bass- und Diskanthälfte der Klaviatur, sodass links und rechts unterschiedliche Farben klingen können. Man unterscheidet Instrumente mit Druckwind und solche mit Saugwind; letztere sind vor allem im amerikanischen Bau verbreitet und klingen weicher.
Musikalische Verwendung
Im 19. Jahrhundert war das Harmonium weit verbreitet: als Hausinstrument, in kleinen Kirchen und Kapellen als Orgelersatz und als Ensembleinstrument. Für dieses Instrument entstand ein eigenes Repertoire, und zahlreiche Werke wurden für Harmonium bearbeitet. Sein Klang ist tragend und kontinuierlich, ähnlich der Orgel, unterscheidet sich aber durch die Tonerzeugung: Zungen statt Pfeifen ergeben einen schärferen, näselnderen Grundcharakter. Anders als die Orgel erlaubt das Harmonium in manchen Bauarten eine Dynamik über den Tretdruck, was ein Anschwellen einzelner Töne möglich macht — ein Ausdrucksmittel, das die Pfeifenorgel nicht kennt.
Spielpraxis
Tritt gleichmäßig und vorausschauend, denn Luftmangel macht sich sofort als Absinken der Tonhöhe und der Lautstärke bemerkbar; bei dichten Akkorden und tiefen Lagen steigt der Bedarf deutlich. Nutze, sofern vorhanden, die Expression-Funktion bewusst, aber sparsam, da sie die Intonation verändert. Registriere getrennt für Bass und Diskant, um Melodie und Begleitung zu unterscheiden. Achte auf trockene Lagerung, weil Feuchtigkeit Zungen und Ventile angreift, und lass klemmende oder verstimmte Zungen fachmännisch reinigen statt selbst zu biegen.
das Instrument im Zusammenspiel leicht dominiert, weil sein Klang gleichmäßig und obertonreich ist: Registriere in Kammermusik sparsam und lass den Partnern Raum. Für Gemeindebegleitung eignen sich kräftige Grundstimmen besser als scharfe Register, die den Gesang überdecken. Prüfe vor dem Spielen, ob alle Ventile frei sind; hängende Töne entstehen oft durch Staub und lassen sich nur fachmännisch beheben. Halte ein gleichmäßiges Tretmaß, weil Schwankungen sofort als Unruhe im Klang hörbar werden.