Imperfektion
In der Mensuralnotation die zweiteilige (statt dreiteilige) Geltung einer eigentlich perfekten Note.
Was es bedeutet
Imperfektion bezeichnet in der Mensuralnotation des Mittelalters und der Renaissance die zweiteilige Geltung einer Note, die eigentlich als perfekt, also dreiteilig, gilt. Eine Note, die normalerweise in drei kleinere Werte zerfällt, wird durch Imperfektion auf zwei kleinere Werte verkürzt.
Musikalische Verwendung
In der Mensuralnotation war die dreiteilige, „vollkommene“ Teilung eines Notenwerts der Normalfall, solange keine gegenteiligen Zeichen oder Zusammenhänge etwas anderes anzeigten. Bestimmte Regeln und Zeichen, etwa die Nachbarschaft kleinerer Noten oder besondere Punkte, konnten eine Note jedoch „imperfizieren“, also auf die zweiteilige Geltung zurückführen. Dieses System aus Perfektion und Imperfektion war komplex und unterschied sich in verschiedenen Epochen und Regionen der Mensuralnotation.
Abzugrenzen ist die Imperfektion von der Perfektion, der regulären dreiteiligen Geltung, sowie von der später üblichen Punktierung, die in der modernen Notation eine Note gezielt um die Hälfte verlängert, statt sie zu verkürzen. Das Konzept betrifft ausschließlich die ältere Mensuralnotation, nicht die heutige Notenschrift.
Spielpraxis
Wenn du Mensuralnotation liest oder transkribierst, kläre zunächst, ob das Stück von einer grundsätzlich zwei- oder dreiteiligen Mensur ausgeht, und prüfe dann Einzelfälle von Imperfektion anhand der zeitgenössischen Regeln. Für die praktische Aufführung lohnt sich meist eine moderne Übertragung, die diese Feinheiten bereits auflöst.