Kniefiedel
Volkstümliches Streichinstrument.
Was es bedeutet
Kniefiedel bezeichnet ein gestrichenes Saiteninstrument, das beim Spiel zwischen oder auf den Knien gehalten wird, im Unterschied zu den auf der Schulter liegenden Armfiedeln. Der Begriff beschreibt also die Haltung, nicht eine bestimmte Bauform. Er begegnet in Beschreibungen historischer und volksmusikalischer Instrumente und steht damit in der Nähe von Bezeichnungen wie Gambe oder Schoßgeige. Weil die Terminologie in alten Quellen uneinheitlich ist, lässt sich nicht jedes so benannte Instrument eindeutig zuordnen.
Musikalische Verwendung
Die Haltung hat Folgen für das Spiel. Wer das Instrument auf den Knien hält, führt den Bogen häufig im Untergriff, mit der Handfläche nach oben, was das Gewicht anders auf die Saite bringt und den Ton weicher beginnen lässt. Zugleich erlaubt diese Haltung Bordunspiel und ein ruhiges, tragendes Klangbild. In der europäischen Musikgeschichte stehen Gamben und verwandte Instrumente für diese Familie, in volksmusikalischen Traditionen verschiedener Regionen begegnen eigene Bauformen mit ähnlicher Handhabung. Mit der Durchsetzung der Violinfamilie trat die Knieftechnik im Kunstmusikbereich zurück, blieb aber beim Violoncello erhalten, das ebenfalls zwischen den Knien gehalten wird.
Spielpraxis
Stelle zuerst die Höhe des Instruments ein: Es muss ohne Klemmen stabil stehen, sonst verkrampfen Beine und Schultern. Bei Untergriffhaltung des Bogens entsteht die Lautstärke weniger aus Druck als aus dem Gewicht des Unterarms; arbeite mit der Drehung des Handgelenks. Prüfe bei bundierten Instrumenten regelmäßig die Lage der Darmbünde, da sie verrutschen. Stimme nach dem Ensemble und nicht nach einem festen Normalton, weil in der Alten Musik unterschiedliche Stimmtonhöhen gebräuchlich sind. Angaben zu Bauformen und Namen solcher Instrumente sollten an der jeweiligen Quelle geprüft werden.
Instrumente dieser Art meist leiser sind als die Violinfamilie: Im gemischten Ensemble entscheidet die Besetzungsstärke über die Balance, nicht der Kraftaufwand des Spielers. Halte den Bogen locker und arbeite mit Gewicht statt mit Druck. Prüfe die Stachel- oder Auflagehöhe, damit das Instrument ohne Klemmen steht.