Latein
Sakralsprache der Westkirche.
Was es bedeutet
Latein war über viele Jahrhunderte die Sprache der Liturgie in der westlichen Kirche und damit die Sprache eines großen Teils der überlieferten Vokalmusik Europas. Vom gregorianischen Choral über die Messvertonungen der Renaissance und des Barock bis zu Requiem und Motette des 19. und 20. Jahrhunderts liegen die Texte lateinisch vor. Für Musiker ist die Sprache deshalb weniger eine Bildungsfrage als eine praktische: Ohne Kenntnis von Betonung und Bedeutung lässt sich diese Musik nicht sinnvoll gestalten.
Musikalische Verwendung
Die lateinische Wortbetonung bestimmt die musikalische Gliederung. In der einstimmigen Liturgie folgt die Melodie unmittelbar dem Sprachrhythmus; in mehrstimmiger Musik richten sich Deklamation, Melismen und Kadenzen nach denselben Betonungen. Ein weiterer Punkt ist die Aussprache: Es gibt verschiedene Traditionen — die heute meist verwendete, italienisch geprägte sowie regionale Aussprachen, wie sie zur Entstehungszeit vieler Werke üblich waren. Die Wahl verändert Vokalfarben und den Umgang mit Konsonanten hörbar und ist eine bewusste Entscheidung der Aufführung.
Spielpraxis
Lies den Text vor dem Singen laut und markiere die Betonungen; übertrage sie dann auf die Noten und prüfe, ob die Komposition ihnen folgt oder bewusst widerspricht. Lege in der Gruppe eine Aussprachetradition fest und halte sie durch — uneinheitliche Vokale kosten mehr Klang als kleine Intonationsfehler. Kläre strittige Stellen wie c, g, gn und die Doppelkonsonanten ausdrücklich. Verschaffe dir eine Übersetzung, auch bei bekannten liturgischen Texten, denn die Wortbedeutung leitet Ausdruck und Lautstärkeplanung.
die Aussprache eine bewusste Entscheidung ist: Die heute verbreitete, italienisch geprägte Aussprache unterscheidet sich hörbar von regionalen Traditionen, wie sie zur Entstehungszeit vieler Werke üblich waren. Lege eine Variante fest und halte sie über das ganze Programm durch. Für kirchenmusikalische Praxis ist die italienische Aussprache verbreitet, während Werke deutscher Tradition oft mit deutscher Aussprache gesungen werden. Verschaffe dir eine Übersetzung, auch bei vertrauten Texten, und sprich den Text vor dem Singen laut, um Betonungen und Sinnabschnitte zu sichern.