Motorische Rhythmik
Mechanisch durchlaufender Rhythmus.
Was es bedeutet
Als motorische Rhythmik bezeichnet man eine gleichmäßig durchlaufende Bewegung in gleichen Notenwerten, die wie eine Maschine abläuft: unerbittlich, ohne Dehnungen, ohne Nachlassen. Der Begriff verweist auf den Motor als Bild für eine mechanische, gleichbleibende Antriebskraft.
Kennzeichnend sind durchlaufende Achtel oder Sechzehntel, ein unveränderlicher Puls und eine Wirkung, die aus der Beharrlichkeit der Bewegung entsteht. Melodik und Harmonik treten oft hinter den Rhythmus zurück.
Zu unterscheiden ist die motorische Rhythmik vom Perpetuum mobile, das ebenfalls auf gleichlaufender Bewegung beruht, aber eine eigene Gattung bezeichnet, meist ein virtuoses Stück für ein Soloinstrument. Die motorische Rhythmik ist dagegen ein Stilmerkmal, das in vielen Gattungen vorkommt.
Im Notenbild
Erkennbar ist die motorische Rhythmik an langen Folgen gleicher Notenwerte ohne Pausen, oft über viele Takte oder ganze Sätze. Vortragsangaben wie ritmico, meccanico oder sempre uguale verstärken den Charakter. Tempoänderungen fehlen meist oder sind abrupt statt allmählich.
Musikalische Verwendung
Durchlaufende Bewegung gibt es in der Musik aller Epochen, etwa im Barock, in dem viele Sätze auf gleichmäßigen Figuren beruhen. Als ausdrückliches Stilmittel wird die motorische Rhythmik im frühen 20. Jahrhundert bedeutsam, als Komponisten sich vom freien Tempo der Romantik abwenden und die Maschinenwelt der Moderne musikalisch darstellen. Auch in späterer Musik, die auf Wiederholung beruht, spielt sie eine Rolle.
Motorische Rhythmik prägte die Musik des frühen 20. Jahrhunderts, etwa bei Strawinsky, Prokofjew, Bartók und Hindemith, und knüpfte an barocke Ostinatotechniken an. Sie wirkt maschinenhaft und unablässig. Die gleichmäßig durchlaufenden Notenwerte und wiederholten Muster erzeugen einen starken Sog, der oft mit Maschinen, Sport oder Großstadt in Verbindung gebracht wurde. ## Spielpraxis
Halte den Puls unerbittlich gleichmäßig und verzichte auf jede agogische Freiheit. Achte darauf, dass alle Töne gleich lang und gleich deutlich sind. Übe mit Metronom, um unbemerktes Beschleunigen oder Nachlassen zu verhindern. Und gestalte über Dynamik und Artikulation, da das Tempo keinen Spielraum bietet.