Niente
Nichts, ins Nichts verklingen.
Was es bedeutet
Niente heißt „nichts" und bezeichnet in dynamischen Angaben den Nullpunkt: die Stille. Als eigenständige Anweisung steht das Wort selten; gebräuchlich sind die Wendungen al niente („bis zum Nichts") für ein Verklingen und dal niente („aus dem Nichts") für ein unmerkliches Entstehen des Klangs.
Gemeint ist in beiden Fällen keine plötzliche Stille, sondern ein Übergang. Der Klang soll die Grenze zwischen Hörbarem und Unhörbarem allmählich überschreiten, sodass der Hörer den Moment des Anfangs oder Endes nicht genau bestimmen kann. Darin liegt der Unterschied zu einem Abbruch oder einem Einsatz aus der Stille heraus.
Die Angabe betrifft nur die Dynamik. Wörter wie morendo und smorzando nehmen zusätzlich das Tempo zurück.
Im Notenbild
Niente erscheint als Wort am Ende einer Gabel oder als Zeichen: ein kleiner Kreis oder die Ziffer 0 an der Spitze der Gabel. Bei dal niente steht das Zeichen am Beginn einer sich öffnenden Gabel. Beide Schreibweisen sind gleichwertig; welche eine Ausgabe wählt, ist eine Frage der Gewohnheit.
Musikalische Verwendung
Die Gestaltung der Grenze zwischen Klang und Stille gehört zu den Ausdrucksmitteln der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts und wird dort mit eigenen Zeichen notiert. In älterer Musik findet sich dasselbe Anliegen, aber mit Wörtern beschrieben — perdendosi, morendo, estinto. Verwendet wird es an Satzenden, bei liegenden Tönen und dort, wo ein Klang aus der Stille heraus entstehen soll.
Die Angabe steht oft mit al. ## Spielpraxis
Plane den Weg zur Stille über die gesamte Strecke und behalte bis zuletzt Reserve. Achte darauf, dass Ton und Intonation im äußersten Leisen stabil bleiben. Bei dal niente setze so an, dass der erste Moment nicht als Einsatz hörbar wird — bei Streichern hilft ein sehr langsamer Bogen, bei Bläsern ein Ansatz ohne Zungenstoß. Und lass dem Übergang Zeit: Zu schnell erreicht, wirkt die Stille wie ein Abbruch.