Ricercare
Vorklassisches imitatorisches Instrumentalstück.
Was es bedeutet
Das Ricercar ist ein Instrumentalstück des 16. und 17. Jahrhunderts, in dem ein oder mehrere Themen in allen Stimmen nacheinander eingeführt und kontrapunktisch verarbeitet werden. Der Name kommt vom italienischen Wort für suchen und deutet auf das Erkunden eines Themas. In älterer Zeit bezeichnete er auch freie, präludierende Stücke; die imitatorische Bedeutung setzte sich später durch.
Musikalische Verwendung
Das Ricercar gilt als unmittelbarer Vorläufer der Fuge. Wie diese führt es ein Thema durch die Stimmen, arbeitet mit Engführung, Umkehrung und Vergrößerung, ist aber in der Regel ruhiger im Zeitmaß, länger in den Themen und weniger streng in der Anlage. Häufig verwendet es mehrere Themen nacheinander, sodass Abschnitte entstehen, die jeweils ein neues Thema durcharbeiten. Der Charakter ist ernst und gemessen; die Gattung steht der Vokalpolyphonie ihrer Zeit nahe und überträgt deren Satzweise auf Tasteninstrumente und Instrumentalensembles. Auch in späterer Zeit greifen Komponisten den Titel auf, um an diese strenge Tradition anzuknüpfen.
Spielpraxis
Bestimme zuerst alle Themeneinsätze und markiere sie; sie müssen hörbar sein, ohne dass die Stimme herausspringt. Halte die Artikulation des Themas an allen Stellen gleich und arbeite an der Unabhängigkeit der Stimmen. Wähle ein ruhiges Zeitmaß und halte es stabil, weil die Wirkung aus der Klarheit entsteht. An der Orgel wähle eine Registrierung, die die Stimmen durchhörbar lässt, meist Prinzipale ohne überladene Mixturen. Übe an schwierigen Stellen paarweise.
Ricercari häufig ohne feste Besetzungsangabe überliefert sind: Sie lassen sich auf Tasteninstrumenten ebenso ausführen wie im Instrumentalensemble, und die Wahl verändert die Wahrnehmung der Stimmen erheblich. Entscheide bewusst. Bestimme alle Themeneinsätze und halte ihre Artikulation gleich. Bachs Musikalisches Opfer enthält ein dreistimmiges und ein sechsstimmiges Ricercar. Frescobaldis Fiori musicali von 1635 enthalten Ricercari für den liturgischen Gebrauch. Prüfe, ob mehrere Themen nacheinander verarbeitet werden, weil sich daraus die Gliederung in Abschnitte ergibt.