Contrapunctus
Kontrapunktischer Satz, etwa in Bachs \"Kunst der Fuge\".
Was es bedeutet
Contrapunctus ist die lateinische Bezeichnung für Kontrapunkt und leitet sich von punctus contra punctum ab, „Note gegen Note" — ursprünglich im Sinne der Notenzeichen, die in einer Stimme gegen die einer anderen gesetzt werden. Gemeint ist die Kunst, mehrere selbständige Stimmen so zu führen, dass sie gleichzeitig sinnvolle Zusammenklänge ergeben und doch jede für sich eine eigenständige Linie bleibt.
Musikalische Verwendung
Als Werkbezeichnung erscheint das Wort vor allem in Bachs „Kunst der Fuge", deren Sätze als Contrapunctus gezählt werden. Die Wahl ist bezeichnend: Die Sätze sind Fugen und fugenverwandte Stücke unterschiedlicher Bauart — einfache, Gegen-, Doppel-, Tripel- und Spiegelfugen —, und die Überschrift benennt das Gemeinsame, nämlich das kontrapunktische Verfahren, statt die jeweilige Form.
Als Lehrbegriff steht der lateinische Ausdruck in der Tradition der Satzlehre, die seit dem Mittelalter die Regeln der Stimmführung beschreibt. Ein einflussreiches Lehrwerk des frühen 18. Jahrhunderts ordnete den Stoff in aufeinander aufbauende Gattungen, beginnend mit dem Note-gegen-Note-Satz über einem Cantus firmus; diese Gattungskontrapunktlehre prägt den Unterricht bis heute.
Zu den Grundregeln gehören die Bevorzugung der Gegenbewegung, das Verbot paralleler Quinten und Oktaven, die geregelte Behandlung der Dissonanz durch Vorbereitung und Auflösung und die Singbarkeit jeder Einzelstimme. Hinzu kommen kunstvolle Verfahren wie der doppelte Kontrapunkt, bei dem zwei Stimmen vertauscht werden können, und die Umformung eines Themas durch Umkehrung, Krebs, Vergrößerung und Verkleinerung.
Weitere Bezeichnungen
Counterpoint ist die englische Bezeichnung für Kontrapunkt als Satzlehre. Die lateinische Form contrapunctus wird daneben als Überschrift einzelner Stücke gebraucht, am bekanntesten in Bachs „Kunst der Fuge“. Beide gehen auf punctus contra punctum zurück, Note gegen Note.
Spielpraxis
Übe kontrapunktische Sätze stimmweise, bevor du sie zusammenfügst, und singe jede Stimme mindestens einmal. Achte beim Spielen darauf, dass keine Stimme die andere verdeckt; Führung wechselt, und der Themeneinsatz soll hörbar sein, gleich in welcher Lage er steht.