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Theorie

Parallelbewegung

Parallelbewegung heißt: Zwei oder mehr Stimmen bewegen sich in dieselbe Richtung und behalten dabei ihren Abstand. Sie ist der Sonderfall der geraden Bewegung, in dem sich das Intervall nicht ändert. Je nach Intervall klingt sie süß, leer, mächtig oder verboten.

Bedeutung
gleiche Richtung, gleicher Abstand
Oberbegriff
gerade Bewegung
Erwünscht
Terzen und Sexten, Sextakkorde
Vermieden
Quinten und Oktaven (strenge Lehre)

Gleich weit, gleiche Richtung

Wenn sich zwei Stimmen von einem Zusammenklang zum nächsten bewegen, haben sie vier Möglichkeiten: Gegenbewegung, Seitenbewegung, ähnliche Bewegung (gleiche Richtung, wechselnder Abstand) und Parallelbewegung (gleiche Richtung, gleicher Abstand). Man spricht von diatonischer Parallelbewegung, wenn nur der Stufenabstand gleich bleibt, und von realer Parallelbewegung, wenn auch die genaue Intervallgröße gleich bleibt, etwa bei einer Folge von Quinten, die exakt um die gleiche Anzahl Halbtöne wandern.

Parallele Terzen

4 4

Zwei Stimmen steigen gemeinsam und kehren am Ende zurück, die obere liegt immer eine Terz über der unteren. Beim Hinsehen wechselt die Terz zwischen groß und klein (c–e groß, d–f klein), ihr Stufenabstand bleibt aber derselbe. Das ist die Parallelführung innerhalb einer Tonleiter.

Parallele Sextakkorde

4 4

Eine Kette von Akkorden in der ersten Umkehrung, jeder eine Stufe höher: e–g–c, f–a–d, g–h–e, a–c–f. Alle Stimmen steigen im Gleichschritt. Diese Satzart heißt in der Musik des 15. Jahrhunderts Fauxbourdon.

Was gut klingt und was nicht

Parallele Terzen und Sexten klingen weich und verschmelzen, die Stimmen bleiben aber als zwei erkennbar. Deshalb sind sie in der Satzlehre erlaubt und beliebt, etwa im Duett. Parallele Quinten und Oktaven dagegen lassen zwei Stimmen zu einer verschmelzen und gelten in der strengen Lehre als Fehler, siehe Quintenparallelen. Wer parallele Intervalle will, bleibt in der Regel bei Terzen, Sexten oder ganzen Akkorden.

Eine Kette von Sextakkorden, wie in der zweiten Zeile, ist die klassische Ausnahme. Hier laufen alle Stimmen parallel, und doch verstößt es nicht gegen das Quintenverbot, weil in einem Akkord in erster Umkehrung zwischen den Stimmen nur Terzen, Quarten und Sexten entstehen, keine Quinten oder Oktaven. Mehr zur Umkehrung steht bei Akkordumkehrung.

Parallelen im Alltag der Gitarre

Auf der Gitarre ist Parallelbewegung eine Grundfähigkeit: Ein Barréakkord lässt sich im Ganzen auf dem Griffbrett nach oben oder unten schieben, und alle Töne wandern um denselben Abstand. Verschiebt man dieselbe Form dagegen quer über die Saiten, kommt die Ausnahme ins Spiel, die der Artikel zur Verschiebung beschreibt: Zwischen der G- und der H-Saite liegt nur eine große Terz statt einer Quarte. Auch Power-Chords werden so verschoben. Sie bestehen aus Grundton und Quinte und werden in der Rockmusik bewusst parallel geführt.

Zum Üben: Spiele die Terzen des ersten Beispiels mit beiden Händen oder mit zwei Instrumenten. Wechsle dann auf die Sextakkorde. Bei den Terzen hörst du zwei Stimmen, bei den Sextakkorden drei: Die äußeren Töne bilden dort eine Sexte, und ein Ton füllt die Mitte. Wie sich Dreiklänge aufbauen, übst du in Akkorde bauen.

Häufige Fehler

  • Parallelbewegung mit gerader Bewegung gleichsetzen: Gerade Bewegung ist der Oberbegriff. Parallel heißt, dass der Abstand gleich bleibt.
  • Alle Parallelen für verboten halten: Verpönt sind in der strengen Lehre vor allem Quinten und Oktaven (auch Primen) zwischen selbständigen Stimmen.
  • Lange Terzenketten ohne Abwechslung schreiben: Viele Lehrbücher empfehlen, sie zu unterbrechen.