Zum Inhalt springen
Theorie

Parallelbewegung

Stimmen bewegen sich im gleichen Intervall.

Was es bedeutet

Parallelbewegung heißt, dass zwei Stimmen sich in gleicher Richtung und unter Beibehaltung desselben Intervalls bewegen. Sie ist eine der vier Bewegungsarten der Satzlehre, neben der Gegenbewegung, der Seitenbewegung mit einer liegenden Stimme und der Gleichbewegung in gleicher Richtung bei wechselndem Intervall.

Musikalische Verwendung

Die Bewertung hängt vom Intervall ab. Parallele Terzen und Sexten gelten als wohlklingend und sind im Satz üblich: Beide sind unvollkommene Konsonanzen, verschmelzen nicht vollständig, und die Stimmen bleiben als zwei hörbar. Parallele Quinten und Oktaven dagegen sind im strengen Satz verboten, und zwar aus einem hörbaren Grund: Sie verschmelzen so stark, dass aus zwei Stimmen eine mit Verdopplung wird — die Selbständigkeit geht verloren. Dasselbe gilt für Prime und Oktave.

Diese Regel ist historisch gewachsen und nicht allgemeingültig. Die frühe Mehrstimmigkeit des Organums beruhte gerade auf parallelen Quinten und Quarten; der Faux-Bourdon des 15. Jahrhunderts führt Stimmen in parallelen Sexten; die Hornquinten gelten als zulässige Sonderform. Und in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts wurde die parallele Führung bewusst als Klangmittel eingesetzt, wo nicht Selbständigkeit der Stimmen, sondern Klangfarbe das Ziel war.

Im Ensemblespiel ist die Parallelbewegung zugleich ein praktisches Thema: Parallel geführte Stimmen müssen in Artikulation, Dynamik und Intonation übereinstimmen, damit sie als ein Klang wirken.

Die Satzlehre unterscheidet Parallelbewegung, Gegenbewegung, Seitenbewegung und Gegenbewegung mit Liegeton. Parallele Terzen und Sexten sind im strengen Satz erlaubt und wohlklingend, parallele Quinten und Oktaven verboten. Im Impressionismus werden ganze Akkorde parallel verschoben, eine Technik, die man als Mixtur bezeichnet. ## Spielpraxis

Spiele parallel geführte Stimmen wie eine: gleiche Länge, gleicher Ansatz, gleiche Dynamik — jede Abweichung fällt sofort auf. Achte auf die Intonation, besonders bei Terzen, die eher tief genommen werden wollen. Und höre im mehrstimmigen Satz darauf, wo die Stimmen selbständig werden sollen; dort trennen sich die Wege, und das will hörbar sein.