Quintenparallelen
Verbotene Quintbewegungen im strengen Satz.
Was es bedeutet
Von Quintparallelen spricht man, wenn zwei Stimmen, die eine reine Quinte bilden, sich in gleicher Richtung bewegen und dabei erneut eine reine Quinte erreichen. Im strengen Satz gilt das als Fehler. Dasselbe gilt für Oktav- und Primparallelen.
Musikalische Verwendung
Der Grund für das Verbot ist hörbar und nicht bloß Konvention. Die Quinte ist eine vollkommene Konsonanz und verschmilzt stark: Zwei parallel in Quinten geführte Stimmen werden nicht als zwei Linien wahrgenommen, sondern als eine mit Verdopplung. Damit geht genau das verloren, worum es im mehrstimmigen Satz geht — die Selbständigkeit der Stimmen. Terz- und Sextparallelen sind aus demselben Grund erlaubt: Sie verschmelzen weniger, und beide Stimmen bleiben hörbar.
Zur Regel gehören einige Unterscheidungen. Verdeckte oder unmittelbare Quinten liegen vor, wenn eine Quinte in gleicher Richtung angesprungen wird; sie werden je nach Lehrtradition unterschiedlich streng behandelt, in den Außenstimmen strenger als zwischen Mittelstimmen. Eine reine Quinte, die auf eine verminderte folgt, gilt nicht als Parallele, weil das Intervall sich ändert. Und die Hornquinten gelten als zulässige Sonderform, weil ein Zwischenschritt dazwischenliegt.
Historisch ist das Verbot begrenzt. Das frühe Organum beruht auf parallelen Quinten; in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts wurden sie bewusst als Klangmittel eingesetzt, und im Power Chord der populären Musik sind sie das tragende Element.
Das Verbot gilt, weil zwei Stimmen, die in Quinten laufen, klanglich zu einer verschmelzen und ihre Selbstständigkeit verlieren. Im Mittelalter waren parallele Quinten dagegen im Organum üblich. Verdeckte Quinten, bei denen zwei Stimmen in gleicher Richtung in eine Quinte laufen, sind in den Außenstimmen ebenfalls zu meiden. In der Rockmusik bilden parallele Quinten als Power Chords eine Grundlage. ## Spielpraxis
Achte beim eigenen Satzschreiben vor allem auf die Außenstimmen — dort fallen Parallelen am deutlichsten auf. Im Zweifel hilft Gegenbewegung. Und beim Spielen: Wo Stimmen parallel geführt sind, gestalte sie als einen Klang mit gleicher Artikulation, statt beide einzeln hervorzuheben.