Quintenparallelen
Quintenparallelen entstehen, wenn zwei Stimmen im Abstand einer reinen Quinte aufeinander folgend in dieselbe Richtung gehen. In der strengen Satzlehre gelten sie als Fehler, weil die beiden Stimmen zu einem Klang verschmelzen. In der Rockmusik und im Impressionismus sind sie dagegen bewusst gesetztes Stilmittel.
- Bedeutung
- Quinte → Quinte, beide Stimmen in dieselbe Richtung
- Auch verboten
- Oktavparallelen
- Grund
- Stimmen verlieren ihre Eigenständigkeit
- Behebung
- Gegenbewegung oder anderer Zielton
- Bewusst eingesetzt
- Power-Chords, Organum, Impressionismus
Der Klang der Quinte
Die reine Quinte hat das einfachste Verhältnis nach der Oktave: 3 zu 2. Deshalb verschmelzen ihre beiden Töne so stark, dass das Ohr sie fast als einen Klang hört. Der Artikel Warum die Quinte hohl klingt beschreibt, warum eine Quinte trotz ihrer fast perfekten Reinheit leer wirken kann. Eben diese Verschmelzung ist das Problem: Zwei Stimmen, die in Quinten parallel laufen, geben ihre Selbständigkeit auf.
Der Fehler: Quinte, Quinte
Die Quinte c–g wandert nach d–a: beide Stimmen steigen um einen Ganzton, der Abstand bleibt eine reine Quinte. Zweimal hintereinander klingt der Abstand gleich, und die Stimmen wirken wie eine einzige, dicke Linie.
Die Behebung: Gegenbewegung
Die untere Stimme geht wieder nach d, die obere fällt nach f. Aus der Quinte wird eine kleine Terz, und beide Stimmen bleiben als eigene Linien erkennbar.
Die Absicht: Power-Chords
Zwei Quinten, die genauso parallel laufen: A5 nach D5. In der Rockgitarre ist das gewollt, denn die Quinte klingt verzerrt klar und stark.
Warum die Satzlehre sie verbietet
Mehrstimmigkeit lebt davon, dass jede Stimme als eigene Linie hörbar bleibt. Parallele Quinten und Oktaven löschen diesen Eindruck aus. Schon die Kontrapunktlehren des späten Mittelalters und der Renaissance meiden sie, und jeder Satzlehrer streicht sie an. Das Verbot betrifft zwei aufeinanderfolgende reine Quinten zwischen denselben beiden Stimmen in gerader Bewegung. Als Behebung dient oft die Gegenbewegung, wie im zweiten Beispiel.
Nicht jede Quinte ist ein Verstoß. Eine einzelne Quinte ist unproblematisch. Zwei Quinten in Gegenbewegung (Antiparallelen) behandeln die Lehrbücher unterschiedlich: Manche erlauben sie, strenge Lehren schränken sie ein. Strenge Lehrbücher kennen daneben noch verdeckte Quinten, bei denen zwei Stimmen in gleicher Richtung auf eine Quinte zulaufen. Sie sind weniger streng geregelt und werden je nach Lehre verschieden bewertet.
Wann Quinten gewollt sind
Das Verbot gilt für den klassischen mehrstimmigen Satz. Das mittelalterliche Organum, die frühe Mehrstimmigkeit, führte eine zweite Stimme gerade in Quinten oder Quarten mit der Melodie. Claude Debussy und andere Komponisten des Impressionismus setzten Quintenparallelen wieder ein, wegen ihres offenen Klangs. Und in der Rockmusik bestehen Power-Chords aus Grundton und Quinte und werden bewusst parallel verschoben, mehr dazu unter Power-Chord.
Häufige Fehler
- Alle Quinten für verboten halten: Nur zwei reine Quinten nacheinander in gerader Bewegung zwischen denselben Stimmen.
- Oktavparallelen vergessen: Für sie gilt dasselbe Verbot.
- Die Parallele durch eine Pause „verstecken“: Das Ohr hört sie trotzdem.
Weiter auf Maikstrings
Verwandte Begriffe
ParallelbewegungGegenbewegungGerade BewegungReine QuinteQuintePower-ChordOktaveTerzparallelenKontrapunkt
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
← Zurück zum Glossar