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Theorie

Gegenbewegung

Gegenbewegung nennt man den Fall, dass zwei Stimmen sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen: Die eine steigt, die andere fällt. Sie hält die Stimmen unabhängig und gilt als die klarste Art, zwei Linien zu führen.

Lateinisch
motus contrarius
Bedeutung
eine Stimme steigt, die andere fällt
Gegenstücke
Seitenbewegung, gerade Bewegung (mit Sonderfall Parallelbewegung)
Vorteil
bewahrt die Eigenständigkeit der Stimmen

Eine steigt, die andere fällt

In der Lehre von der Stimmführung unterscheidet man, wie sich zwei Stimmen von einem Zusammenklang zum nächsten bewegen. Bei der Gegenbewegung gehen sie in entgegengesetzte Richtungen. Das lateinische Wort lautet „motus contrarius“. Die beiden anderen Grundarten sind die Seitenbewegung, bei der eine Stimme liegen bleibt, und die gerade Bewegung, bei der beide in dieselbe Richtung gehen.

Auseinander: die Stimmen öffnen sich

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Zwei Stimmen beginnen im Oktavabstand auf c. Die obere steigt (c–d–e–g), die untere fällt (c–h–a–g). Der Abstand wächst von der Oktave über die Dezime und die Duodezime bis zu zwei Oktaven. Von rechts nach links gelesen schließen sich die Stimmen wieder.

Sext-Oktav-Klausel

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Eine klassische Schlusswendung: Die große Sexte d–h öffnet sich in Gegenbewegung zur Oktave c–c. Die obere Stimme zieht mit dem Leitton h aufwärts, die untere geht einen Schritt abwärts.

Warum Gegenbewegung so geschätzt wird

Der wichtigste Grund ist die Unabhängigkeit der Stimmen. Wenn eine steigt und die andere fällt, hört man beide als eigene Linien. Bewegen sie sich gleichzeitig in dieselbe Richtung, verschmelzen sie leichter zu einem Klang. Deshalb bevorzugt die Lehre die Gegenbewegung, wo es um zwei gleichwertige Stimmen geht.

Ein praktischer Vorteil: In Gegenbewegung sind Quintenparallelen ausgeschlossen, denn eine Parallele setzt voraus, dass beide Stimmen in dieselbe Richtung gehen. Wer unsicher ist, ob eine Folge Parallelen enthält, kann eine der Stimmen kurzerhand in die Gegenrichtung führen.

Gegenbewegung im Alltag der Musik

Die Sext-Oktav-Klausel zeigt einen Ort, an dem man Gegenbewegung ständig antrifft: am Schluss. Der Leitton steigt, die untere Stimme fällt einen Schritt, aus der Sexte wird die Oktave. Auch in Klavierstücken laufen die Hände oft nach außen, von der Mitte weg, oder zur Mitte hin zusammen. Das erzeugt die Bewegung des „Auf- und Zuklappens“, die man in Läufen und Schlusswendungen hört.

Zum Üben: Spiele das erste Beispiel mit zwei Händen auf dem Klavier und achte darauf, wie sich der Klang ändert, während die Töne auseinanderrücken. Danach spielst du die Töne rückwärts, von rechts nach links, und hörst, wie sich die Stimmen aufeinander zubewegen.

Häufige Fehler

  • Gegenbewegung mit Gegensätzlichkeit verwechseln: Gemeint ist nur die Richtung der Stimmen, nicht ihr Charakter.
  • Auch bei Seitenbewegung von Gegenbewegung sprechen: Bleibt eine Stimme liegen, ist es Seitenbewegung.
  • Alle Stimmführung nach ihr ausrichten: Auch gerade Bewegung ist erlaubt und oft schön. Eingeschränkt sind bestimmte Parallelen, nicht die Richtung selbst.