Leitton
Der Leitton ist ein Ton, der mit einem Halbtonschritt zu einem Zielton strebt, vor allem die siebte Stufe einer Durtonleiter zum Grundton. Er „leitet“ zur Tonika und trägt die Kadenz. Moll muss sich ihn erst borgen.
- In C-Dur
- h, zieht nach c
- In a-Moll
- gis (erhöhte siebte Stufe)
- Abstand zum Ziel
- Halbton
- Richtung
- aufwärts
Ein Halbton, der zieht
Spiele in C-Dur die Tonleiter aufwärts und halte auf dem h an. Der Ton steht nicht still. Diese Unruhe stellt sich auch bei Menschen ein, die nie Musikunterricht hatten. Der Grund liegt im Abstand: Zwischen allen anderen Stufen liegt ein Ganzton, außer zwischen der dritten und vierten und zwischen der siebten und achten. Je näher zwei Töne beieinanderliegen, desto stärker zieht der untere zum oberen.
Der Leitton h in C-Dur
Halte auf dem h an: Der Ton steht nicht still, er will weiter nach c. Das ist der Leitton.
Der Leitton in der Dominante
Der Leitton entfaltet seine Wirkung in einem Akkord. Die fünfte Stufe von C-Dur ist G-Dur (g–h–d), und das h darin ist der Leitton. Fügt man das f hinzu, entsteht G7. Das h will einen Halbton hinauf zum c, das f einen Halbton hinunter zum e. Zwischen beiden liegt ein Tritonus. Löst man beide auf, landet man auf c und e. Deshalb ist die Kadenz G7–C so unausweichlich. Der Leitton geht aufwärts: Das ist die Richtung, in die er zieht.
Moll borgt sich den Leitton
Die natürliche Molltonleiter hat keinen Leitton: In a-Moll liegt zwischen g und a ein Ganzton, und die Dominante e–g–h ist ein Moll-Dreiklang, der nicht zieht. Deshalb erhöhen Komponisten seit dem Barock die siebte Stufe, aus g wird gis. Das ist das harmonische Moll, mit der übermäßigen Sekunde zwischen f und gis. Im Melodischen Moll werden aufwärts sechste und siebte Stufe erhöht, abwärts kehrt die Tonleiter zur natürlichen Form zurück, weil unten kein Leitton gebraucht wird.
Leitton im Notenbild
Zwei Stücke zeigen den geliehenen Leitton in der Praxis.
Klavier
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Menuett g-Moll BWV Anh. 115, aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach; im PDF Christian Petzold zugeschrieben · Klavier · 1 Seite
Die Vorzeichnung hat zwei b. In der ersten Zeile steht in der linken Hand ein fis, obwohl es in der Vorzeichnung kein fis gibt: der geborgte Leitton von g-Moll.
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Invention Nr. 3 D-Dur Johann Sebastian Bach, BWV 774, aus: Zweistimmige Inventionen · Klavier · 2 Seiten
3/8-Takt mit zwei Kreuzen. Schon in Takt 6 steht gis in der Melodie; in Takt 10 zieht es als Leitton nach a, dem Grundton der Dominante von D-Dur.
Ohne Leitton
Mixolydisch ist Dur mit erniedrigter siebter Stufe, in G also f statt fis. Die Kadenz zielt dort nicht mehr, sie kommt an, ohne gezogen zu werden. Das ist der typische Klang von Folk und Rock. Dorisch, Moll mit erhöhter sechster Stufe, hat ebenfalls keinen Leitton. Historisch war der Leitton vor etwa 1600 keine Selbstverständlichkeit: Sänger erhöhten die siebte Stufe am Schluss, obwohl sie nicht notiert war. Das nennt man Musica ficta.
Häufige Fehler
- Den Leitton nach unten führen: Er zieht nach oben.
- Leitton und Septime verwechseln: Der Leitton ist eine Stufe (die siebte), die Septime ein Intervall.
- Im Moll das gis vergessen: Es steht als Versetzungszeichen vor der Note, nicht in der Vorzeichnung.
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Verwandte Begriffe
HalbtonTonikaDominanteKadenzDur-TonleiterHarmonisches MollAuflösungStufeSekundeMixolydisch
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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